Zehn Jahre Freundeskreis „Granja El Ceibo“

Großartige Hilfe für Behinderte in Argentinien – Schon 267.000 Mark an Spenden zusammengetragen

Wehr (gie) Der Freundeskreis „Granja El Ceibo“ feiert das zehnjährige Bestehen. 1988 beginnt die Entstehungsgeschichte mit einer Südamerikareise von Hans-Gerd Wiesner. In Argentinien lernte er seinen Partner und Freund Diego Stochero kennen und durch ihn die 60.000 Einwohner zählende Stadt Rafaela in der Provinz Santa Fe.

Durch die Erfahrungen und die Eindrücke, die er auf seiner Reise sammelte –
sie waren geprägt von der sozialen Not des Landes – bricht in Wiesner der Entschluss durch, seinen Beruf als Koch an den Nagel zu hängen und seinen Lebenswunsch zu verwirklichen, behinderten Kindern und Jugendlichen ein lebenswertes und angenehmes Leben zu ermöglichen.

Die Granja – ein einfaches Landgut, das ursprünglich eine Hühnerfarm war – wird ausgewählt und nach langer Renovierungs- und Aufbauzeit findet dort im argentinischen Sommer des Jahres 1989/90 das erste Ferienlager für behinderte Jugendliche statt, an dem bereits 20 Behinderte teilnehmen. Heute leben 18 geistig leicht bis schwer behinderte Jugendliche ständig auf dem Landgut mit dem riesigen Ceibo-Baum im Hof, dem Namensgeber der Institution.

Granja Marmeladen

Der Alltag auf der Farm ist geprägt von landwirtschaftlicher Arbeit: Tomaten und Mangold sowie Kohl werden mit Hilfe der Jugendlichen zum Teil in Gewächshäusern angebaut und im verpachteten Laden der Granja verkauft. Neben dem Obst- (hauptsächlich Orangen) und Gemüseverkauf werden auf der Granja Marmeladen und Konfitüren hergestellt und zum Kauf angeboten. Dadurch kann die Granja einen Großteil der laufenden Kosten decken.

Neben diesem wichtigen finanziellen Faktor für die Granja hilft die Produktionsarbeit vor allem den Behinderten direkt: Durch die Arbeit erlangen die Jugendlichen ein stärkeres Selbstbewusstsein und lernen, Verantwortung zu übernehmen. Trotz allem reichen die selbsterwirtschafteten Erträge nicht aus, um alle Ausgaben zu bestreiten. Neben der Unterstützung durch die Stadt Rafaela ist die Granja sehr stark auf Spenden angewiesen.

92 Mitglieder

Der Freundeskreis „Granja El Ceibo“ – im Jahre 1990 gründen Hans-Gerd Wiesners Eltern, der derzeitige Vorsitzende Carl-Erich Wiesner und dessen Frau Gertrud – den Förderverein in Wehr mit zehn Mitgliedern. Mittlerweile unterstützen 92 Mitglieder den Verein, der sich die finanzielle Unterstützung der Granja zum Ziel gemacht hat.

Um dieses Ziel bestmöglich zu erreichen, organisiert der Verein regelmäßig verschiedene Aktionen wie den Hut- und Sockenverkauf auf dem Wehrer Nikolausmarkt und die seit zwei Jahren stattfindende Kleider-Börse in der Stadthalle. Über die zehn Jahre hinweg erwirtschaftete der Verein die beachtlichen Spendensummen von 267.000 Mark für die Granja in Argentinien, die mittlerweile in eine Stiftung umgewandelt wurde.

Bunter Abend im November

Zum Jubiläum veranstaltet der Freundeskreis am Samstag, 18. November, zum zweiten Mal einen bunten Abend in der Stadthalle Wehr. Ab 20 Uhr ist gegen zwölf Mark Eintritt pro Person der Einlass eröffnet.

Das Programm, das in den nächsten Tagen auf Handzetteln und Plakaten zu lesen ist, klingt viel versprechend und amüsant: Neben dem Tanzstudio Iris Jaeger und den treuen Spendern des Freundeskreises, den Sternsingern von St. Martin, werden Persönlichkeiten des Wehrer Kulturlebens die Bühne betreten. So wird zum Beispiel Reinhard Valenta sein musikalisches Talent beweisen und südamerikanische Lieder zur Gitarrenbegleitung
singen.

Alemannische Lieder zur Gitarre

Granja-Freund Markus Manfred Jung, der selbst 1997 einige Wochen auf der Granja verbrachte, bekommt alemannische Verstärkung von einem ehemaligen Lehrer von Hans-Gerd Wiesner. Rektor Erhard Zeh, dessen Schule in Haltingen eine Patenschaft für die Granja übernommen hat, wird alemannische Lieder zur Gitarre singen. Die von Norbet Hauf organisierte Theatergruppe St. Martin wird den Ein-Akt-Klassiker „Gott sei Dank, dr Tisch isch deckt!“ aufführen.

Die Jugendkapelle der Stadtmusik Wehr ist ebenfalls mit von der Partie und wird unter anderem das Erfolgstück vom Herbstkonzert „Ebony & Ivory“, begleitet von Michael Hermann, noch einmal zum Besten geben.

Der Abend wird mit Jazz, gespielt von Michael Hermann und Mark Götz, ausklingen. „Auch für das leibliche Wohl wird gesorgt sein“, lässt Vorsitzender Carl-Erich Wiesner wissen, denn „die Gäste haben die besondere Gelegenheit, argentinischen Wein zu genießen.“

Weitere Informationen: Der Freundeskreis „Granja El Ceibo“ zählt zurzeit 92 Mitglieder. Der Mitgliedsbeitrag liegt bei 40 Mark pro Jahr. Den Vorsitz haben Arnold Holz und Carl-Erich Wiesner, über den auch Kontakt zum Freundeskreis aufgenommen werden kann: Carl-Erich Wiesner, Konradin-Kreuzer-Straße 6, 79664 Wehr, Telefon: 07762/96 40.

Die Spendenkonten des Freundeskreis „Granja El Ceibo“ liegen bei der Sparkasse Hochrhein in Wehr (BLZ: 684 522 00) mit der Kontonummer 29 071 461 und bei der Volksbank Rhein-Wehra e.G. (BLZ: 684 900 00) mit der Kontonummer 10 375 908. Die Homepage des Vereins ist im Internet unter www.granja.de zu finden. Der bunte Abend des Freundeskreises findet am Samstag, 18. November, um 20 Uhr in der Stadthalle Wehr statt (Eintritt 12 Mark).

Erschienen im Südkurier vom 11.11.2000.

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