Suche nach der Einheit von Mensch und Natur

Der gebürtige Freiburger Alexander Dettmar stellt in Wehr aus: „Von Baden nach Rom“

Der Rucksack ist sein mobiles Atelier. Alexander Dettmar malt überall dort, wo seinem Auge etwas gefällt. Dazu braucht er keinen Tisch und keine Staffelei. Nur das Nötigste, was in seinen Rucksack passt. Foto: Kathrin GieseSein Interesse an Häusern, Stein und an den von Menschenhand geschichteten Mauern ist als die Suche nach der verlorenen Einheit von Mensch und Natur zu verstehen. So beschrieb Jürgen Doppelstein, der Vorsitzende der Ernst-Barlach-Gesellschaft Hamburg, die Intension von Alexander Dettmar, der am Sonntag seine Ausstellung „Von Baden nach Rom“ in der Galerie des „Alten Schlosses“ eröffnete.

Mit der Ausstellung „Sommer in Ascona“ war Alexander Dettmar schon einmal in Wehr gewesen. Reinhard Valenta erinnert sich an die Eröffnung jener Ausstellung im Jahre 1992, anlässlich der 900-Jahrfeier und an die Begegnung mit Alexander Dettmar, die er als „einen einzigartigen Glücksfall“ empfindet. Seit jener Ausstellung wurden Alexander Dettmar und seine Werke zu einem Bestandteil von Valentas Leben. Valenta veröffentlichte in Zeitschriften, Büchern und Katalogen seine Gedanken über Dettmars Werk und eröffnete mehrere Ausstellungen an Orten wie Freiburg, Stuttgart, Überlingen, Bernau, Engen, Staufen und Müllheim. Auch am Sonntag führte wieder der Kulturamtsleiter in die Ausstellung ein, die bis zum 24. Juni in der Galerie des „Alten Schlosses“ zu sehen ist.

Archetypen oder Urbilder

Mit einleitenden Gedanken erleichterte Valenta den Kunstinteressierten den Einstieg in die Bildbetrachtung. Valenta zitierte dabei die Berliner Kunsthistorikerin Bettina Güldner, zu der ihn seine intensive Auseinandersetzung mit Dettmars Werk führte. Sie hatte sich besonders mit der Mal- und Kompositionstechnik des Künstlers beschäftigt.

Die Motive Dettmars Bilder sind für die Berliner Kunsthistorikerin Ausschnitte aus einer größeren Ordnung, die durch den Grad der Abstraktion nicht realistisch wirken sollen, sondern zu einer eigenen Erfindung der Wirklichkeit werden, in deren Zentrum Archetypen oder Urbilder stehen.

Das Verborgene

Zur weiteren Erläuterung zog Valenta den bereits zu Beginn zitierten Jürgen Doppelstein heran. Er hatte sich anlässlich der Verleihung des Barlachpreises an Alexander Dettmar im Jahre 1995 intensiv mit dem in Freiburg geborenen Künstler befasst. Er nennt als besondere Merkmale in Dettmars Werken das Fehlen der Perspektive, die Flächigkeit und Zeitlosigkeit, das Fehlen eines Lichteinfalls. Auch Doppelstein spricht Dettmars Bildern eine Funktion zu, die das genaue Hinsehen lehre: „Denn nur hinter der Fassade tut sich das Verborgene auf, das Sinn, Bedeutung und Heimat stiftet.“

Auf die Frage warum Dettmars Häuser ohne Menschen auskommen, gab Valenta die Antwort des Chefs der Schirn Kunsthalle in Frankfurt, Hellmut Seemann: „Die Häuser, die er malt, sind Kulissen des Menschlichen und eben deshalb kommt die Darstellung ganz ohne Menschen aus.“

Grasgrüner Maleranzug

Alexander Dettmar ergänzte den theoretischen Teil der Einführung durch Erläuterungen zu dem praktischen Teil seiner Arbeit: Anschaulich zeigte er dem Publikum wie er in seinem grasgrünen Maleranzug kniend vor dem Motiv zur häufigen Verwunderung der Passanten die ersten Eindrücke aufs Papier bringt und sie dann vor Ort zur Vollendung bringt. Nur die größten Werke Dettmars werden zum Abschluss ins Atelier gebracht. Dettmar ist besonders die Nähe zu den Kindern wichtig, auf deren Höhe er die Bilder malt. KATHRIN GIESE

Weitere Informationen: Die Ausstellung „Von Baden nach Rom“ von Alexander Dettmar ist bis zum 24. Juni in der Galerie des Alten Schlosses in Wehr zu sehen. Wochentags ist die Ausstellung von 14 bis 18 Uhr geöffnet. An Sonn- und Feiertagen kann man die Stadtbilder von Alexander Dettmar von 11 bis 13 Uhr, als auch von 14 bis 18 Uhr betrachten.

Bildtext: Der Rucksack ist sein mobiles Atelier. Alexander Dettmar malt überall dort, wo seinem Auge etwas gefällt. Dazu braucht er keinen Tisch und keine Staffelei. Nur das Nötigste, was in seinen Rucksack passt. Foto: Kathrin Giese

Erschienen im Südkurier vom 28.05.2001.

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