Auf der Suche nach den Wurzeln einer Religion

LESUNG Das Judentum für Nichtjuden verständlich gemacht – Lesung von Lea Fleischmann im Arbeitnehmer-Zentrum

Von Kathrin Giese

SIEBENGEBIRGE. „Es ist an der Zeit, sich der großen alten Religion inhaltlich zu zu¬wenden.“ Mit diesen Worten wies Hedwig oos-Schumacher, Leiterin der VHS-Siebengebirge, auf den Bedarf an Kulturaus¬tausch hin. Nur durch Austausch wird Verständnis möglich.

Roos-Schumacher leitete mit diesem Denkanstoß die Lesung von Lea Fleischmann ein. Die israelische Autorin las im Arbeitnehmer-Zentrum aus ihrem Buch „Rabbi Nachman und die Thora“. „Es scheint, dass wir trotz 1000-jähriger gemeinsamer Geschichte wenig über das Judentum wissen“, erklärte Roos-Schumacher, die mit dieser Vorlesung viele Königswinterer für die „Suche nach den Wurzeln der gemeinsamen Geschichte“ anregen möchte. Lea Fleischmann wurde als Tochter jüdischer Eltern 1947 in einem Lager für „Displaced Persons“, einer Zwischenstation für Schoah-Vertriebene in Deutschland geboren.

Sie selbst begab sich im Alter von 32 Jahren auf die Suche nach den Wurzeln ihrer Religion. Sie wanderte nach Israel aus. Ihre Erfahrungen verar¬beitet sie in ihren Büchern. Faszinierend las und erzählte die frühere Lehrerin in Hessen von ihrer Begegnung mit dem Werk von Rabbi Nachman.

Verständnis erleichtern

„Eine Erinnerung an die Zeit vor dem Holocaust würde das Verständnis der eigenen und der fremden Kultur erleichtern, denn wir haben eine gemeinsame Geschichte“, rät Roos-Schumacher. Wie viel Nachholbedarf es in diesem Bereich gibt, zeigten die vielen Fragen des Publikums in der sich anschließenden Diskussion. Wer jedoch tiefer in das Thema „Jüdische Lebenswelten“ eintauchen möchte, hat im März und Mai dazu Gelegenheit.

Die VHS-Siebengebirge bietet ein Zusatzprogramm zur Lesung von Lea Fleischmann: Am Donnerstag, 20. März, 19.30 Uhr, wird Manfred van Rey, Spezialist für jüdisches Leben in der Region, einen Vortag über „Juden in Königswinter“ im Siebengebirgsmuseum halten.

Auf den „Spuren jüdischer Geschichte im Siebengebirge“ wird am Donnerstag, 15. Mai, gewandert. Elmar Scheuren, Leiter des Siebengebirgsmuseums, Adolf Nekum, Lokal-Historiker, und Hedwig Roos-Schumacher führen über die jüdischen Friedhöfe in Königswinter und Selhof. Die Veranstaltung beginnt um 17.30 Uhr im Museum mit einer Einführung in das jüdische Leben.

Erschienen im General-Anzeiger Bonn vom 22.02.2003.

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