Automuseum bewegt sich auf die Altstadt zu

WIRTSCHAFT Bürger- und Verkehrsverein diskutiert die „sehr interessante Idee“. Schelte für Bad Honnef

Von Kathrin Giese

KÖNIGSWINTER. „Es herrscht eine Katastrophenstimmung auf allen Ebenen, besonders in den Kommunen“, stellte Vorsitzender Richard Fassbender bei der Mitgliederversammlung des Bürger- und Verkehrsverein „Alt-Königswinter“ am Mittwochabend im Rheinhotel Loreley fest. Fassbender sprach von Stagnation im Tourismus, Pessimismus in Handel sowie Industrie und von leer stehenden Läden. „Wir müssen beobachten, fördern und fordern“, sagte der Vorsitzende zu den zahlreich erschienenen Vereinsmitgliedern und Stadträten.

Auch Andreas Patz, Geschäftsführer der Königswinterer Wirtschaftsförderungs- und Wohnungsbau-Gesellschaft, war gekommen. Wichtigster Tagesordnungspunkt war der Vortrag von Franz-Joachim Thür, der in Doppelfunktion als zweiter Vorsitzender des Vereins und Fraktionschef der SPD auftrat. Zunächst widmete er sich der Zukunft der Tourismus GmbH. „Mit den Bad Honnefern geht es nicht“, ist für Thür die Konsequenz aus der „Unverschämtheit“, die sich die Bad Honnefer beim regionalen Gemeinschaftsprojekt „Tourismus Siebengebirge GmbH“ leisteten.

Die Bad Honnefer wollten mit nur 5 000 Euro Beitrag alle Rechte an der Tourismus GmbH behalten, so Thür – und enttäuschen damit die Königswinterer. „Ich hoffe die Honnefer haben die Courage, einen Strich drunter zu ziehen, denn in dieser Konstellation geht es nicht.“ Thür versicherte, dass die Stadt alles versuche, um die Tourismus GmbH zu erhalten.

Für Verdruss sorgte unlängst auch das geplante Besucherzentrum an der Drachenfelsstraße auf dem Gelände des ehemaligen Winzerhofs „Bobby“. „An diesem Standort ist die Sache erstmal tot“, erklärte Thür. Der Investor für das geplante Bauvorhaben sprang wie berichtet ab, da ihm das Vorhaben unrentabel erschien. Nun wird das „Bobby“-Gelände für Parkplätze frei geräumt. Doch die Idee von einem Besucherzentrum in Königswinter wird weiter verfolgt. Einen Bürgerantrag für den Bau eines kleineren Besucherzentrums am alten Kassengebäude brachte wie berichtet der Verein „Alt-Königswinter“ ein. Thür: „Die Idee ist gut, doch wir müssen es als Stadt schultern können.“

Auch die Sanierungsplanung der Altstadt stand auf der Tagesordnung. Besonders im Blickpunkt steht die mittelfristige Nutzung des Gebietes der Firma Hayes Lemmerz, die einen Teil ihrer Flächen selber nicht mehr nutzen wird. Das Gebiet von der Straße „Am Kissel“ bis einschließlich zum achtstöckigen Verwaltungsgebäude der Firma Hayes Lemmerz wird frei. Gespräche mit den drei Grundstückseigentümern und möglichen Investoren laufen laut Thür. Ideen für die Nutzung der Fläche beinhalten die Ansiedlung eines Multiplex-Kinos, eines Wellnesstempels, einer Diskothek und eines Automuseums aus Bayern, das möglicherweise nach Königswinter umsiedeln wolle. Inwieweit das Gelände großflächig für den Einzelhandel genutzt werden könnte, soll noch geprüft und diskutiert werden. „Zum einen gibt ein so großes Projekt sicher einen Entwicklungsschub für die Altstadt.

Wir müssen jedoch prüfen, ob ein negativer Einfluss auf die Hauptstraße entstehen könnte.“ In der Diskussion meldeten sich viele Mitglieder des Vereins zu Wort. Es wurde eine genaue Prüfung der Auswirkung auf den Einzelhandel in der Hauptstraße durch ein neutrales Institut gefordert, zum Beispiel durch die Industrie- und Handelskammer. Thür versicherte mit Blick aufs Gewerbegebiet in Dollendorf: „Wir wollen keinen zweiten Mühlenbruch.“ Patz äußerte sich zur Nutzung des Firmengeländes positiv und fand die Idee, ein Automuseum aus Bayern nach Königswinter zu holen, „sehr interessant“, da es einen Beitrag zur Verbesserung der touristischen Infrastruktur darstellen würde.

Erschienen im General-Anzeiger Bonn vom 14.03.2003.

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