Frauen zeigen Wege aus der Gewalt im Alltag auf

FORUM In Bad Honnef haben Arbeitsgruppen Lösungswege ermittelt. Die Gruppen aus der Region wollen sich vernetzen. „Wir müssen zusammenhalten und Schweigen brechen“

Von Kathrin Giese

BAD HONNEF. Wo fängt Gewalt an und welche Auswege gibt es? Über das Thema „Wege aus der Gewalt“ wurde beim Frauenfrühstück des Frauenforums Bad Honnef nicht nur diskutiert. Vielmehr wurden auch Lösungswege erarbeitet. Im evangelischen Gemeindezentrum trafen sich 50 Interessierte anlässlich des Welt-Frauen-Tages zu einem köstlichen Frühstück mit anschließender Diskussion um das Thema „Gewalt“.

„Wir wollen etwas zusammen machen, damit eine Vernetzung unter den Frauengruppen entsteht“, erklärte Ingrid Löhr vom Frauenzentrum den Ansporn für die Veranstaltung. Für das Forum, das sich aus Mitgliedern zehn lokaler Frauengruppen der Region zusammensetzt, war es die zweite Veranstaltung zum Welt-Frauen-Tag. Das Frühstücksbuffet hatte das Forum bei der Jugendwerkstatt Rhein-Sieg in Siegburg bestellt, die sich für die Berufsförderung für junge Frauen einsetzt. Die Hauswirtschaftsgruppe der Jugendwerkstatt, richtete ein leckeres Büffet an mit Brötchen, Müsli, Säften und allem, was das Herz begehrt.

Umrahmt wurde das Frühstück mit Klaviermusik von der Berufsmusikerin Mariann Backa. Christa Schnapp, Gleichstellungsbeauftragte der Kirche Rhein-Sieg und Jacqueline Weigelt vom Frauenzentrum Bad Honnef hatten sich in das Thema „Wege aus der Gewalt“ eingearbeitet und leiteten die Diskussion und die Gruppenarbeiten. Zu Beginn verteilten Schnapp und Weigelt Zettel, auf denen Fallbeispiele aus dem Grenzbereich zwischen „schlechter Angewohnheit“ und Gewalt beschrieben waren. Sensibilisierung für die Gewalt im Alltag war das Ziel. Die Frauen sollten das Ausmaß der Diskriminierung und Verletzung in den einzelnen Beispielen einschätzen lernen, denn Gewalt müsse zuerst erkannt und benannt werden, damit Wege aus ihr überhaupt gefunden werden können. Auch sollte der eigene Umgang mit Gewalt geschult werden. Antworten auf Fragen wie „Was würde mir helfen, wenn ich selber Gewalt erfahre?“ wurden an spontan gebildeten Tischgruppen erarbeitet und als Wege aus der Gewalt formuliert.

Die Frauen kamen zu folgenden Ergebnissen: Man muss hinsehen, wenn Gewalt geschieht, die Gewalt erkennen und benennen, Schweigen brechen und eine Öffentlichkeit erzeugen. Vor allem aber sei Solidarität und Parteilichkeit unter den Frauen wichtig. „Alle Frauen müssen zusammen halten“, hieß es in den Gruppen. Zum Abschluss wurde ein großes Plakat gestaltet, auf dem die guten Vorsätze und ersten Schritte auf dem Weg aus der Gewalt festgehalten wurden. Jede der Frauen bekam einen Zettel und schrieb darauf einenformulierten Satz wie „Ich werde nicht wegsehen, wenn Gewalt geschieht“. Die Zettel wurden auf dem Plakat gesammelt, das von nun an für eine Woche im Foyer des Rathauses in Bad Honnef zu sehen ist.

Erschienen im General-Anzeiger Bonn vom 17.03.2003.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.