Einblicke in das Leben der Juden in Königswinter

JUDENTUM Stadtarchivar Manfred van Rey hält einen Vortrag im Siebengebirgsmuseum. Zeitzeugen ergänzen die eindrucksvollen Schilderungen mit selbst erlebten Geschichten

Von Kathrin Giese

KÖNIGSWINTER. „Mit der Ermordung der beiden jüdischen Knaben Abraham und Samuel beginnt die Geschichte des jüdischen Leidensweges in Königswinter“, erzählt Manfred van Rey. Der Spezialist für das jüdische Leben in der Region hielt einen Vortrag im Siebengebirgsmuseum zum Thema „Juden in Königswinter“. Die Veranstaltung war der zweite Teil der dreiteiligen Reihe „Jüdische Lebenswelten“ der VHS-Siebengebirge.


Der Stadtarchivar Manfred van Rey, der sich seit seiner Doktorarbeit mit dem Thema „Juden in Königswinter“ befasst, erzählte die wechselhafte Geschichte des Lebens der Juden in der Drachenfelsstadt und im Rheinland. Seine Ausführungen handelten vom friedlichen, von den Christen geduldeten Zusammenleben, aber auch von Verfolgungen und Judenpogromen. In der Zeit der Kreuzzüge begannen die Schilderungen von van Rey, der die Ergebnisse seiner Recherchen zum Thema im „Heft l“ der Schriftenreihe „Königswinter in Geschichte und Gegenwart“ festgehalten hat. Seine Erzählung führte von der Gleichberechtigung der Juden zur Zeit der Französischen Revolution bis hin zur ihrer grausamen Verfolgung im Dritten Reich. Doch gerade im düstersten Kapitel des Zusammenlebens von Juden und Christen konnte der Autor einige Beweise und Geschichten vortragen, die zeigten, dass in den kleineren Städten, wie beispielsweise Königswinter, Juden als Nachbarn und Mitbewohner betrachtet wurden. So erzählte er zum Beispiel, dass dort Christen Juden vor der Abholung warnten.

Unter den rund 40 Zuhörern waren einige Zeitzeugen, darunter auch der ehemalige Bürgermeister Günter Hank. Sie ergänzten und bereicherten den Vortrag von Manfred van Rey mit selbst erlebten Geschichten. Dabei kamen auch ganz neue Geschichten ans Tageslicht, die van Rey nun in seine Sammlung aufnehmen will. Van Rey wies im weiteren auf den 80. Geburtstag des Autors und Regisseurs Ralph Giordano hin, der auf der Grundlage des Buches von van Rey 1987 einen Fernsehfilm mit dem Titel „Die Juden von Königswinter“ für den WDR erstellte, der als Videofilm im Siebengebirgsmuseum zu Verfügung steht. Wer noch tiefer in die „Jüdischen Lebenswelten“ eindringen will, hat dazu am Donnerstag, 15. Mai, Gelegenheit.

Der dritte Teil der Veranstaltungsreihe lädt dazu ein, auf den „Spuren jüdischer Geschichte im Siebengebirge“ zu wandern. Der Leiter des Siebengebirgsmuseums, Elmar Scheuren, der Lokal-Historiker Adolf Nekum und Hedwig Roos-Schumacher, Leiterin der VHS-Siebengebirge, führen über die beiden jüdischen Friedhöfe in Königswinter und Seihof. Die Veranstaltung beginnt um 17.30 Uhr im Siebengebirgsmuseum mit einer Einführung in das jüdische Leben im Siebengebirge. Anmeldung bei der VHS unter 0 22 44/88 92 55.

Erschienen im General-Anzeiger Bonn vom 25.03.2003.

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