Krebsforschung im Arbeitszimmer

FORSCHUNG Die Peer-to-Peer-Technologie ermöglicht es den eigenen Computer für die Erforschung neue Heilmittel rechnen zu lassen.

Von Kathrin Giese

Die Krebsforschung betritt neue Dimensionen: An der Suche nach einem neuen Molekül gegen Krebs sollen private Computer mitwirken. Vernetzt zu einem virtuellen Großrechner namens Cure, zu deutsch Heilung, soll die ungenutzte Rechenleistung privater PCs, ähnlich wie bei dem Projekt SETI@home, für die Forschung mobilisiert werden. Die Firma Intel entwickelte das „Philanthropic Peer-to-Peer Program“, das zurzeit bei drei medizinischen Forschungsprojekten zum Einsatz kommt.


Die Peer-to-Peer-Technologie ermöglicht nicht nur Datenaustausch unter PCs, wie bei den mp3-Tauschbörsen Napster oder KaZaA, sondern auch ungenutzte Rechnerressourcen der Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen. Dadurch wird es möglich einzelne Rechenprozesse auf viele Computer zu verteilen. Wo bislang teure Großrechner zum Einsatz kamen, soll mit Hilfe des verteilten Rechnens, dem so genannten Distributed Computing, ein kostengünstiger und schneller Weg beschritten werden. An den von Intel unterstützten Forschungsprojekten beteiligen sich bereits über zwei Millionen Privatpersonen. Dadurch wurde eine enorme Rechenleistung erreicht, die selbst die neuen Großrechner um Längen schlägt.
Mit dem Distributed Computing eröffnet sich für Privatpersonen ein neuer Weg die Krebsforschung aktiv zu unterstützen, ohne Geld zu spenden. Denn um sich an der Erforschung eines Krebs bekämpfenden Wirkstoffes zu beteiligen, braucht man lediglich einen Computer mit Internetanschluss. Um sich über die weltweit laufenden Projekte zu informieren, lohnt sich ein Besuch auf den Seiten von www.rechenkraft.net. Dort sind alle Projekte aufgelistet, die durch verteiltes Rechnen unterstütz werden können, auch die auf der Software von Intel basierenden Krebsforschungsprojekte. Zu jedem einzelnen Projekt ist dort eine genaue Beschreibung zu finden.

Ist die Entscheidung auf ein Projekt gefallen, muss zu erst die Software, der so genannte Client, auf den eigenen Computer herunter geladen werden. Dazu folgt man dem Download-Link, der in der jeweiligen Projektbeschreibung angegeben ist. Nach der Installation der Software und der Vergabe von Benutzernamen und Passwort ist das private Forschungslabor einsatzbereit. Die Software wird ab diesem Zeitpunkt die ungenutzten Rechenkapazitäten des PC im Hintergrund nutzen. Viele Programme sind als Bildschirmschoner konzipiert und werden erst aktiv, wenn der Computer nicht benutzt wird. Die zu bearbeitenden Aufgaben erhält die Software automatisch über das Internet. Ebenso werden die erarbeiteten Lösungen automatisch bei der nächsten Internetverbindung an das Forschungszentrum zurückgesendet.

Das „Philanthropic Peer-to-Peer Program“ von Intel kommt unter anderem bei dem Krebsforschungsprojekt THINK zum Einsatz, das von United Devices geleitet wird. Untersucht wird dabei ein Protein-Modell, von dem bekannt ist, dass es an der Entstehung von Krebs beteiligt ist. Das Programm erstellt dreidimensionale Computermodelle der Moleküle und testet die Reaktion mit den Proteinen. Positive Reaktionen werden an den zentralen Server zurückgemeldet. In der ersten, bereits abgeschlossenen Phase des Projekts wurde nach Molekülen gesucht, die die Bildung jener Enzyme unterdrücken können, die das Wachstum neuer Blutbahnen zu Tumoren anregen und die gegen jene Proteine wirken, die für das Zellwachstum und Zellschäden verantwortlich sind. Jetzt, in der zweiten Forschungsreihe werden die Ergebnisse der ersten Phase noch detaillierter untersucht. Wieder werden die Moleküle und ihr Zusammenwirken mit Proteinen im dreidimensionalen Computermodell berechnet.

Doch Distributed Computing kommt nicht nur für medizinische Zwecke zum Einsatz. Auf den Internetseiten unter www.rechenkraft.net sind über 100 Projekte in 25 verschiedene Themengruppen von Animation über Klimasimulation bis hin zur Suche nach Außerirdischen eingeteilt. Spitzenreiter ist dabei die Themengruppe Mathematik, in der es hauptsächlich um die Errechnung von Primzahlen geht.

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