Gräber zeugen von längst vergessenen Mitbürgern

GESCHICHTE Siebengebirgsmuseum und VHS erforschen jüdisches Leben in und um Königswinter

Von Kathrin Giese

KÖNIGSWINTER. Auf den „Spuren jüdischer Geschichte im Siebengebirge“ bewegten sich die 21 Teilnehmer der dritten und letzten Veranstaltung der VHS Siebengebirge zum Thema „Jüdische Lebenswelten“. Der Leiter des Siebengebirgsmuseums, Elmar Scheuren, Hedwig Roos-Schumacher, die Leiterin der VHS Siebengebirge und der Lokalhistoriker Adolf Nekum führten über die beiden jüdischen Friedhöfe in Königswinter und Seihof, die zu den herausragenden, aber wenig bekannten Zeugnisse jüdischer Geschichte im Siebengebirge zählen.


Mit einer Einführung im Siebengebirgsmuseum begann die Spurensuche. Elmar Scheuren gab Einblicke in den dokumentierten Teil der jüdischen Regionalgeschichten und führte zu den themenbezogenen Exponaten der Dauerausstellung im Siebengebirgsmuseum. Darunter ist auch ein Geleitbriefaus dem Jahre 1767, der dem Juden David Samuel als besonderer Ausweis und als Schutzgarantie diente. Weiter zeigte Scheuren ein Foto des Schuhgeschäftes der jüdischen Familie von Albert Cahn.

Das Haus an der Hauptstraße 154 steht heute noch und wurde auf dem Fußweg zu dem jüdischen Friedhof in Königswinter von der Gruppe besucht. Heute ist dort das Juwelier-Geschäft Schimanietz ansässig. Auf dem Jüdischen Friedhof in Königswinter zeigte Elmar Scheuren besondere Grabsteine. Darunter das älteste Grab des Friedhofes aus dem Jahre 1889, in dem jener David Samuel bestattet ist, auf den der gezeigte Geleitbrief ausgestellt war. Auch das Grab von Albert Cahn, der 1957 im Exil in England gestorben war und sich mit Absicht in Königswinter bestatten ließ, wurde besucht.

Elmar Scheuren führte weiter zu dem biografisch interessanten Grab von Ludwig Süßkind. Das besondere daran ist, das Ludwig Süßkind im ersten Weltkrieg als Soldat für Deutschland in Frankreich kämpfte. Hedwig Roos-Schumacher bereicherte die Führung mit Erklärungen zu den jüdischen Begräbnistraditionen, die sich in viele Details von den christlichen unterscheiden. So darf ein jüdisches Grab auch nach langer Zeit nicht wiederbelegt werden, sondern dient dem Verstorbenen als ewige Ruhestätte.

Weiter erläuterte Roos-Schumacher die besondere Symbolik auf den jüdischen Grabsteinen. Weiter ging es zum jüdischen Friedhof in Bad Honnef-Selhof. Dort führte Adolf Nekum über den Friedhof, der nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft so schockiert über die Verwüstung des jüdischen Friedhofes war, dass er seine ganze Aufmerksamkeit der Recherche und Wiederaufbereitung des Friedhofes widmete. Seine Recherchen hat er in dem Buch „Honnefs Kinder Israels“ festgehalten, das neben dem Buch von Manfred van Rey „Juden in Königswinter“ zur weiteren, selbstständigen Spurensuchen zu empfehlen ist.

Erschienen im General-Anzeiger Bonn vom 22.05.2003.

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