Blaues Wunder

HARDWARE Neue DVD-Technologie ermöglicht vierfache Speicherkapazität. Kinofilme in hoher Qualität passen jetzt auf eine Disk.

Die Markteinführung der DVD ist noch nicht lange her, da arbeiten die Entwickler schon längst an einem Nachfolger, der noch mehr Daten auf eine Disk speichern kann. Die Lösung ist ein neuer Lasertyp, der mit blauem Licht arbeitet. Zwei unterschiedliche Brennverfahren mit den Namen BluRay und AOD wurden bisher von den konkurrierenden Elektronikfirmen entwickelt.

Von Kathrin Giese

Jetzt hat das Rennen der weltweiten Elektronikbranche um diese neue Brenntechnologie einen ersten Etappensieger. Der japanische Elektronik-Riese Sony hat als erstes Unternehmen den Entwicklungssprung zur neuen DVD-Technologie mit blauem Laser geschafft: Bereits Mitte April brachte Sony seinen ersten BluRay-Recorder mit der Bezeichnung BDZ-S77 in die japanischen Läden.

Mit der BluRay-Technologie lassen sich Single-Sided-Disks mit bis zu 23 GByte beschreiben, auf eine Double-Sided-Disk passen so sogar bis zu 50 GByte. Der BluRay-Videorecorder BDZ-S77 ist zuerst auf dem japanischen Elektronikmarkt erschienen und ist derzeit für umgerechnet 3.500 Euro erhältlich. Die neue Lasertechnik im Sony-Rekorder stammt von der japanischen Optoelektronikfirma Nichia, einem führenden Produzenten von Leuchtdioden-Technologien. Dem Hightechunternehmen mit Sitz auf der kleinen japanischen Insel Shikoku war mit der Herstellung blauer Laserdioden der Durchbruch gelungen.

Im Gegensatz zu dem bislang für DVDs eingesetzten roten Laser schafft der blaue Laser durch seine kürzere Wellenlänge eine höhere Speicherdichte auf dem Medium. Das Licht der roten Laser hat üblich eine Wellenlänge von 635 oder 650 Nanometer und schaffte es bis zu fünf GByte auf eine DVD zu speichern. Die neuen blauen Laser schreiben mit einer Wellenlänge von 405 Nanometer und erreichen damit die mehr als vierfache Speicherdichte. So wird es erstmals möglich Filme in Kinoqualität auf nur einen Rohling zu brennen.

Passend zu dem Recorder bringt Sony auch die benötigten BluRay-Rohlinge auf den Markt. Die ersten haben eine Kapazität von 23 GByte und kosten 30 US-Dollar. Sony plant aber auch Medien mit 25 und 27 GByte im Laufe dieses Jahres auf den Markt zu bringen. Neben Sony waren außerdem die Unternehmen Hitachi, LG, Matsushita, Pioneer, Philips, Samsung, Sharp und Thompson an der Entwicklung des neuen Formates beteiligt.

In Europa werden die ersten Geräte nach Einschätzung von Philips voraussichtlich nicht vor dem Jahr 2005 auf den Markt kommen. Hier zu Lande könne aber die Einführung von hoch auflösenden Fernsehbildern, wie es sie in Japan bereits gebe, das Interesse an der neuen Technologie schnell wachsen lassen.

Doch obwohl als erstes ein BluRay-Rekorder auf den Markt gekommen ist, müssen die Unternehmen die auf die BluRay-Technologie gesetzt haben einen herben Rückschlag durch die Konkurrenz einstecken. Das DVD-Forum, ein Zusammenschluss von Unternehmen und Entwicklern rund um die DVDs, das sich für einheitliche, kompatible DVD-Formate einsetzt, hat sich für eine andere Technologie entschieden. Bereits im November legte das DVD-Forum fest, dass der Nachfolger der DVD die Advanced Optical Disk, kurz AOD, sein soll.

Wie auch bei der BluRay-Disk wird bei der AOD die neue, blaue Lasertechnik angewendet. Die Hersteller Toshiba und NEC sind die Hauptvertreter der AOD. Ein großer Vorteil der AOD ist, dass sie preisgünstiger herzustellen ist. NEC zeigte auf der CeBIT erstmals ein AOD-Laufwerk in Aktion. Mitstreiter Toshiba präsentierte auf der „Optical Storage 2003“ in Vancouver eine zweilagige, wiederbeschreibbare AOD mit einer Kapazität von 36 GByte. Daneben wird es, laut Toshiba, auch ein einschichtiges Medium mit 20 GByte geben und ein Read-only-Medium mit 15 sowie 30 GByte.

Ein weiterer Grund für die Entscheidung für AOD ist, dass dieses Verfahren gewährleistet, dass mit blauem Laser geschriebene DVDs auch kompatibel zu mit rotem Laser beschriebenen DVDs bleiben und der Käufer nicht in ein Geräte-Wirrwarr gezwungen wird. Das ist bei dem BluRay-Format von Sony nicht der Fall.

Bei den Käufern machte sich BluRay außerdem durch sein Kopierschutzverfahren unbeliebt. Die Speichermedien von BluRay werden mit einem strikten Kopierschutzverfahren ausgestattet sein, inklusive einer eindeutigen ID, die jede BluRay-Disk einzigartig macht. Bislang ist jedoch noch kein AOD-Rekorder auf dem Markt erhältlich.

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