Aegidienberger ist robust und hitzetolerant

GANGPFERDE Seit zwei Jahrzehnten züchtet Walter Feldmann eine Pferderasse, die über mehr Gangarten
verfügt als ihre Artgenossen. Vorbereitungen für die Westdeutschen Islandpferde-Meisterschaften.

Aegidienberger geritten von Marlies Feldmann.AEGIDIENBERG. „Die jüngste Pferderasse Europas züchten wir hier in der Bad Honnefer Berggemeinde“, erzählt Marlies Feldmann vom Gangpferde-
zentrum Aegidienberg
.

Die Familie Feldmann ist Betreiber des großen und Deutschland weit etablierten Gestüts. Walter Feldmann senior kam in den 80er Jahren auf die Idee, eine Rasse zu züchten, die so robust ist wie das Islandpferd, aber eleganter und größer sein sollte.

Heute beläuft sich die Population auf über 600 Tiere. Idyllisch liegt das Gestüt umgeben vom Wald des Siebengebirges: Ein Paradies für Reiter. Aber auch für die Pferde, denn im Gangpferdezentrum werden die Vierbeiner „robust gehalten“. Das heißt, sie stehen draußen in Herden an der frischen Luft, in so genannten Paddocks.

In Aegidienberg sind die Stuten-, Hengst- und Wallachpaddocks etwa 800 Quadratmeter groß. In jedem Paddock gibt es drei „Wälzplätze“. Die Laufwege für die Pferde zu ihren Fressplätzen sind betoniert und werden mehrmals wöchentlich gereinigt. Dazu kommt nahezu täglich der Gang zur Weide. Unzählige Pferdeköpfe begrüßen so den Besucher des Gangpferdezentrum Aegidienberg gleich beim Betreten des Hofes.

Gangpferde, das sind alle Rassen, die außer den gewöhnlichen drei Gangarten Schritt, Trab und Galopp noch über einen vierten und manchmal sogar fünften Gang verfügen: Dem gerade für den Reiter angenehmen, weil weichen Tölt, und dem Rennpass. Der Rennpass ist eine besonders schnelle, weitgreifende Gangart, die nicht von allen Pferden gezeigt wird. Der Isländer ist wohl das bekannteste Gangpferd. Doch es gibt weitaus mehr töltende Rassen, als die kleinen zotteligen Nordlichter. „Wir sind offen für alle Gangpferde“, erklärt Marlies Feldmann.

Tatsächlich kann man in den beiden großen Paddocks auch andere Pferderassen erblicken. So zum Beispiel die südamerikanische Rasse Paso Peruano. Diese spielt bei der Zucht der „Aegidienberger“ eine besondere Rolle. Durch eine fünfachtel Kreuzung aus Islandpferd und Paso Peruano, der ebenfalls zu den töltenden Pferden gehört, werden über drei Generationen die „Aegidienberger“ gezüchtet. Die neue Rasse hat Vorteile: Über das Paso-Blut erhalten die Pferde eine hohe Hitzetoleranz und daher Robustheit in den Sommermonaten. Durch das isländische Blut bildet sich in den Wintermonaten ein genügend dichtes Fell, um auch bei strengerer Kälte gehalten werden zu können.

Doch auf dem Gestüt geht es nicht nur um die Zucht. Wichtig ist auch die Ausbildung von Pferd und Reiter. Die Grundlagen erlernen die Anfänger in der Saga-Reitschule in Gruppenunterricht und auf Ausritten. Spezieller und individueller werden Pferd und Reiter in den Lehrgängen und Einzelstunden vom Fachmann für Gangpferde, Walter Feldmann junior, trainiert.

Im September beginnt er mit der individuellen Vorbereitung der Teilnehmer für die Westdeutschen Islandpferde Meisterschaften. Wer die Aegidienberger gerne tölten sehen will, der hat vom dritten bis zum fünften Oktober dazu Gelegenheit. Im Gangpferdezentrum wird ein Freundschaftsturnier ausgetragen, das erste in einer Reihe von Cup-Turnieren. Das Gangpferdezentrum findet man in der Peter-Staffel-Straße 13 in Aegidienberg.

Erschienen im General-Anzeiger Bonn vom 15.08.2003.

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