Ein roter Faden zieht sich durch ihr Werk

ATELIER-BESUCH Die Künstlerin Isabella Hannig widmet sich vor allem dem Motiv Mensch. Im „Rhöndorfer Bildergarten“ bereitet sie zurzeit zwei Ausstellungen vor

Von Kathrin Giese

SIEBENGEBIRGE. In Ochsenblutrot und Taubenblau leuchtet das Isataler-Holzhaus der Künstlerin Isabella Hannig. Vor der Haustüre steht ein VW-Bus in den gleichen Farben. Seit zehn Jahren befindet sich am Frankenweg 35 der „Rhöndorfer Bildergarten“, zugleich Wohnsitz, Atelier und Galerie der freischaffenden Künstlerin. Zwei Ausstellungen hat sie in Vorbereitung: In Kürze werden ihre Werke – gemeinsam mit denen weiterer Künstler – in Königswinter zu sehen sein, bald darauf in Bonn. Bei einem Atelier-Besuch gewährte Isabella Hannig jetzt Einblick in ihre Arbeit.

Sie hat den roten Faden für sich entdeckt. Seit zwei Jahren arbeitet Isabella Hannig mit Fadenstrukturen. Mit rotem Faden formt sie menschliche Wirklichkeiten, wie sie selbst sagt. „Mein Interesse und Motiv war immer der Mensch“, erzählt die frühere Kunsterzieherin. Schon seit jeher waren ihre Arbeiten grafisch. Eine Besucherin indes entdeckte einst in einem der farbreichen Ölbilder markante rote Umrisse und fragte, ob dies ein eingearbeiteter Faden sei. Was damals auf die Betrachterin nur so wirkte, entwickelte sich bald zu einer neuen Schaffensweise, auf die sich Hannig zurzeit konzentriert. „Ich bin an den Fäden hängen geblieben. Die sind so expressiv. Sie hängen. Ich finde sie faszinierend“, schwärmt die Künstlerin.

Rechts neben dem Haus geht es die Stufen hinunter in den Bildergarten. Der angebaute Wintergarten vergrößert die Ausstellungsfläche. An den Wänden hängen ältere Ölarbeiten wie die Trilogie über „Die drei Rätsel der Turandot“ von Puccini, aber auch immer mehr Fadenstrukturen. In ihren Bildern arbeitet Hannig meist auf mehreren Ebenen. „Ich arbeite mit Transparenz. Dadurch erhalte ich eine zweite Bildebene“, erklärt die Künstlerin. Ihren roten Faden strukturiert Isabella Hannig von Hand auf weißen, transparenten Untergrund. „Das ist meditativ und dauert sehr lange“, erläutert sie. An dem 70 mal 100 Zentimeter großen „Ave Maria“ etwa hat sie drei Wochen gearbeitet. Die farbigen Akzente bekommen die kontrastreichen Bilder in einem kleinen Turmzimmer, das über der Galerie liegt und nur durch eine steile Treppe erreicht werden kann. Die „sauberen Arbeiten“, wie sie Hannig nennt, macht sie im Haus, wo sie einen weiteren Arbeitsbereich hat.

Doch der „Rhöndorfer Bildergarten“ ist nicht nur Arbeits- und Ausstellungsraum. Im vergangenen Jahr organisierte die Fadenkünstlerin die Autorenlesung von Ursel Langhorst und einen Jazzabend mit dem „Lier Ensemble“ in ihrem Reich. Mehr als 50 Besucher kamen in den „Rhöndorfer Herbstsalon“.

Werke von Isabella Hannig werden ab 21. September im Pavillon des VVS auf der Margarethenhöhe zu sehen sein. Die Einzelausstellung „Erinnerungsstücke“ ist vom 4. bis zum 23. Oktober im Kurfürstlichen Gärtnerhaus in Bonn zu betrachten.

Die Künstlerin ist unter 0 22 24/7 66 98 sowie im Internet unter www.isabellahannig.de erreichbar.

Erschienen im General-Anzeiger Bonn vom 19.08.2003.

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