Die Äffchen der Gaukler gaben den Name

ATELIERBESUCH Der Kunst-Raum „Meerkatze“ steht im Zentrum vieler Ereignisse in der Drachenfelsstadt. Wolfgang Sahlmann und Kurt Volkert malen in dem 254 Jahre alten, aufwändig renovierten Haus

Von Kathrin Giese

KÖNIGSWINTER. Das Atelier Meerkatze war in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Mittelpunkt von Kunstereignissen in der Drachenfelsstadt. So beim „Wet painting“ im Juni, organisiert von der lokalen Agenda 21. In der Altstadt der Drachenfelsstadt gelegen, hat sich das Atelier längst zu einem Treffpunkt rund um die Kunst entwickelt.

Die Räume sind der ureigene Schaffensbereich des Kölner Künstlers Wolfgang Sahlmann sowie des Königswinterer Künstlers Kurt Volkert. Seinen Namen verdankt das Atelier der Straße, in der das 1749 errichtete Fachwerkhaus steht. Zur Entstehung des doch ungewöhnlichen Straßennamens gibt es mehrere Theorien. Volkert und Sahlmann erzählen die folgende: Im Mittelalter brachten Gaukler exotische Tiere als Attraktion mit nach Königswinter. Unter anderem hatten sie zierliche Äffchen, so genannte Meerkatzen, dabei. Oft blieben den Gauklern jedoch die Tore zur Stadt verschlossen: Sie mussten vor der Stadtmauer ihr Lager aufschlagen, und zwar eben dort, wo jetzt die Meerkatzstraße verläuft.

Ein möglicher Beweis der fast märchenhaften Theorie ist im Garten des Ateliers zu finden: Die Überreste der alten Stadtmauer bilden die Grenze des Grundstücks; die Straße lag also wirklich außerhalb der Stadtmauer. Wahrheit oder Fantasie, jedenfalls hängt zur Erinnerung an die Namensvetter der Straße und damit des Ateliers direkt neben der Eingangstür das Bild eines dieser kleinen Äffchen.

Wenn man dieses passiert hat, gelangt man durch einen Flur mit niedriger Decke in die Halle. Dort hängen Werke von Wolfgang Sahlmann im so genannten Petersburger Stil, übereinander bis unter das Dach. Die Halle bildet den Mittelpunkt des Hauses. Geradewegs durch die Halle ist der Garten des Ateliers zu sehen, von dem aus eine weitere „Spezialität“ zu erreichen ist: der wie eine Kathedrale wirkende frühere Schuppen. Dort hängen die größeren Werke Sahlmanns, der in der linken Haushälfte sein Wirkungsfeld hat.

Sahlmann arbeitet hauptberuflich als freischaffender Künstler. „Bei seinen Bildern kann ich nie sagen, ob sie den ersten oder den letzten Tag der Welt darstellen“, beschreibt Volkert das Werk seines Kollegen. Es selbst arbeitet im rechten Hausflügel: Über eine rote Holzwendeltreppe neben der Küche erreicht man den ersten Stock, in dem die Bilder des Ex-Amerikaners ausgestellt sind. Von dort aus kann man einen Balkon betreten, der in die Halle hereinragt. Bevorzugt malt Kurt Volkert Porträts und Landschaften.

„Ich bin ein Post-Impressionist“, sagt er selbst. Seine Bilder entstehen ganz oben im Dachboden des Hauses. „Wir haben tonnenweise Müll und Schrott aus dem Haus geschleppt“, erklärt Volkert. Im April 2001 hatten er und seine Frau das Haus in einem „katastrophalen Zustand“, wie er sagt, gekauft. Eine alte Frau hatte bis zu ihrem Tode dort gewohnt. Danach stand es zwei Jahre leer. „Alles musste neu gemacht werden. Das Haus bekam ein neues Dach, 23 neue Fenster und eine Heizung“, erzählt der pensionierte Kameramann Volkert. Das Ziel, das Atelier im Dezember einzuweihen, wurde unter dem Aufgebot aller Kräfte erreicht.

In seinem zweijährigen Bestehen hat sich das Atelier nun zu einer festen Kunst-Größe entwickelt: Die Kulturgruppe der lokalen Agenda 21 trifft sich hier, obwohl weder Volkert noch Sahlmann darin mitarbeiten. „Wir leisten uns den Luxus, unser Atelier begehbar zu halten. Es soll ein offenes Haus sein, auch für andere Künstler und Kunstinteressierte“, berichtet das Künstler-Duo.

Im Oktober wird ausgehend vom Atelier Meerkatze eine Skulpturen-Ausstellung in Königswinter organisiert. Gezeigt werden Skulpturen des bekannten Metallbildhauers Günther Wolf. „Wir wollen den Rahmen des Provinziellen brechen“, lautet das Motto der Kunstschaffenden.

Das Atelier Meerkatze ist an der Meerkatzstraße 2 gelegen. Besucher können sich unter 0 22 23/90 56 54 anmelden.

Erschienen im General-Anzeiger Bonn vom 26.08.2003

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