Krippenplätze sind an der Uni Mangelware

FAMILIE Rund sieben Prozent der Studierenden müssen die Doppelbelastung aus Vorlesungen und Kindererziehung meistern. Es gibt bereits viele Hilfen, die Plätze sind jedoch rar

Von Kathrin Giese

BONN. Es gleicht einem Spagat: Studium und Kindererziehung erfolgreich unter einen Hut zu bringen, erfordert Organisationstalent. Dennoch nehmen etliche die Doppelbelastung aufsich. Rund sieben Prozent der Studierenden in Deutschland sind Eltern, ermittelte das Deutsche Studentenwerk mit seiner 16. Sozialerhebung. „Für Bonn gilt ungefähr die gleiche Zahl“, erklärt Ansgar Schuldenzucker, Geschäftsführer des hiesigen Studentenwerkes. Das sind bei rund 38 000 eingeschriebenen Studierenden etwa 2 500.

Das Studentenwerk Bonn betreibt seit Herbst 2000 in der Nähe der Rheinauen an der Heinrich-von-Stephan-Straße eine Kindertagesstätte (KiTa) für Kinder zwischen vier Monaten und sechs Jahren. Verteilt auf sechs Gruppen werden dort insgesamt 90 Kinder betreut. Auch die Katholische Hochschulgemeinde bietet Studierenden in der KiTa des Augustinushauses 30 Ganztagesplätze an. Bevorzugt werden aber Kinder aufgenommen, die im Augustinushaus in den acht Apartments oder Einzelzimmer für allein erziehende Mütter wohnen.

„Ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Gerrit Schmelter vom Sozialreferat des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta). Der Bedarf an Betreuungsmöglichkeiten gerade für Kinder im Krippenalter unter drei Jahren ist groß. Die Hälfte der Kinder von Studierenden ist laut der Sozialerhebung jünger als zwei Jahre. „Auf acht freie Plätze hatten wir kürzlich in unserer Kindertagesstätte 133 Bewerber“, sagt Ansgar Schuldenzucker. Die wenigen Krippenplätze sind heiß begehrt und schwerer zu finden als ein Platz im Kindergarten.

Von diesem Mangel an Krippenplätzen sind besonders die allein Erziehenden und Studierende ohne Unterstützung von Verwandten betroffen. „Wenn dazu noch das Geld für eine Tagesmutter fehlt, wird die Kinderbetreuung zum Problem“, berichtet Schmelter, selbst Student und Vater von zwei Kindern. Um eine eigene Kinderbetreuung zu organisieren, werden im AStA-Sozialreferat Adressen von Müttern und Vätern gesammelt und ausgetauscht.

„Wir brauchen eine flexible Kinderbetreuung, die spontan reagieren kann“, sagt er. Regelmäßige Verpflichtungen lassen sich mit Kindern meist noch irgendwie in den Griff kriegen, weil dann Betreuungsmöglichkeiten eingeplant werden können. Doch Unvorhergesehenes bereitet Probleme, beispielsweise wenn man nach der Vorlesung kurzfristig doch noch in die Bibliothek muss. Für solche Fälle fehlen flexible Einrichtungen.

Doch erste Ansätze der Besserung sind in Sicht:Die Fachhochschule Ludwigshafen am Rhein, die Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen, die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und die Universität Trier bemühen sich beispielsweise, eine familiengerechte Hochschulkultur zu schaffen. Mit dem „Grundzertifikat zum Audit Familiengerechte Hochschule“ verpflichten sich diese Hochschulen in den nächsten drei Jahren, einen 150 Punkte starken Maßnahmenkatalog für eine familienfreundliche Umgebung umzusetzen.

Einer der Schwerpunkte dieses Projekts ist auch die Konzeption und Durchführung des Modellversuchs „Flexible Kinderbetreuung“. Doch nicht allein die mangelnden Betreuungsplätze erschweren das Studieren mit Kind. Ohne festes Einkommen oder Unterstützung in der Familie belasten finanzielle Engpässe die jungen Eltern.

Auch hier hilft der AStA-Beauftragte mit individuellen Beratungsgesprächen und Informationen weiter – beispielsweise zur Verlängerung des Bafög-Anspruchs wegen Schwangerschaft oder zum Wohngeld und zur Sozialhilfe. Schmelter: „Es gibt immer Wege und Möglichkeiten. Aber sicher ist: Die Mühen werden belohnt, denn Kinder sind total klasse.“

INFORMATIONEN

Beratung und Information zum Studieren mit Kind gibt es beim Sozialreferat des AStA mittwochs von 15 bis 17 Uhr im Raum 15, Nassestraße 11 (www.asta.uni-bonn.de; 02 28/73 70 43).

Die Kindertagesstätte des Studentenwerks Bonn (www.studentenwerk-bonn.de) an der Heinrich-von-Stephan-Str. 3 ist unter 02 28/37 71 974 zu erreichen. Für Studierende mit Kind ist Annegret Brüning von der Katholischen Hochschulgemeinde die Ansprechpartnerin 02 28/ 91 44 522, Internet: www.khgbonn.de.

Die Leiterin der Kindertagesstätte im Augustinushaus ist unter 02 28/54 97 51 zu erreichen.

Das Projekt „Familiengerechte Hochschule“ der Uni Trier steht unter www.familiengerechte-hochschule.de und die Zusammenfassung der 16. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes unter www.studentenwerke.de.

Weitere nützliche Infos: www.vamv.de, www.campus-eltern.de sowie www.rund-ums-baby.de.

Erschienen im General-Anzeiger Bonn vom 06.10.2003 und hier auf der Webseite des GAs.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.