Kinderaugen voller Erfahrung und Wehmut

ADVENTSKALENDER Anke Ikelle-Matiba von der Gemeinschaft Königswinterer Künstler hat das Christkind in Gesichtern von vier Kontinenten verarbeitet. Kontrast zum romantisierten Weihnachtsbild

Von Kathrin Giese

GA-ADVENTSKALENDER Anke Ikelle-Matiba. Foto: Frank Hohmann

KÖNIGSWINTER. Ein Christkind muss nicht unbedingt ein europäisches Gesicht haben – so die Grundidee der Künstlerin Anke Ikelle-Matiba. Mit ihrem vierteiligen Werk zum Christkind will sie einen Kontrast schaffen zu der romantisierten Zuckerguss-Weihnachtswelt.


Die in Bad Godesberg lebende Künstlerin geht davon aus: „Wenn heute ein Christkind geboren würde, dann bei den ärmsten der Armen. Zum Beispiel in Afrika und nicht in Europa. Unter einer Brücke vielleicht, wohl nicht in einem romantischen Stall“. So kam dem langjährigen Mitglied der Gemeinschaft Königswinterer Künstler die Idee, dem Christkind Gesichter unterschiedlicher Nationalität zu geben.

Mit ihnen will sie einen Rückblick schaffen: Von Jesus Tod am Kreuz zurück zu seiner Kindheit. Das Kreuz bildet den Ausgangspunkt des Zurückschauens. Doch aus der Mitte guckt jeweils ein anderes Gesicht mit einer anderen Emotion: Das asiatische Christkind blickt erstaunt in die Welt. „Auf dieses junge Kind kommt noch eine Menge zu“, erklärt Ikelle-Matiba. Das afrikanische Gesicht spiegelt hingegen Erfahrung wieder. In seinen Augen liegt ein wehmütiger Blick, der auf nicht nur gute Erlebnisse schließen lässt.

Das älteste Gesicht spiegelt Ruhe wieder und strahlt etwas Meditatives aus. „Dieses Kind hat die Jugend abgeschlossen. Es könnte der zwölfjährige Jesus im Tempel sein“, so die Künstlerin, die sich IMKA nennt. Auch ein europäisches Gesicht (rechts) ist dabei: „Das kleine Kind blickt frisch, fromm, fröhlich, frei in die Welt“. Es braucht nichts zu befürchten. Damit spielt die schon weit gereiste Künstlerin auch auf die guten Ausgangschancen europäischer Kinder heutzutage an: „Wir leben auf der Sonnenseite der Welt“.

Der goldene Bildhintergrund soll den vier Gesichtern etwas Königliches, Heiliges verleihen. Den weiblichen Touch in den Kindergesichtern hat die Künsterlin bewusst gesetzt: „Die Welt ist so stark vermännlicht, da wollte ich den Schwerpunkt auf das weibliche setzten. Doch letztendlich sind alle vier einfach nur Kinder“.

IMKA präsentiert sich im Internet unter www.imka-kunst.de.

Erschienen im General-Anzeiger Bonn am 2.12.2003.

Foto: Frank Homann

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