„Leider müssen auch heute noch viele Familien fliehen“

ADVENTKALENDER Monika Hogrefe malt in Öl die Dramatik der Flucht von Josef und Maria

Von Kathrin Giese

GA-ADVENTKALENDER Bild von Monika Hogrefe: Flucht von Josef und Maria Foto: Frank HohmannKÖNIGSWINTER. Mit der Flucht von Maria, Josef und dem kleinen Jesus vor dem Herrscher Herodes hat sich die Künstlerin Monika Hogrefe in ihrem Bild zum Thema Christkind auseinandergesetzt. „Die Flucht vor den Kindermördern nach Ägypten war dramatisch ohne Ende. Leider müssen auch heute noch vielen Familien fliehen“, erklärt Hogrefe, die Mitglied in der Gemeinschaft Königswinterer Künstler ist. Unten rechts im Bild ist die junge Familie zu sehen: Maria hält das neugeborene Kind im Arm. „Ihr habe ich einen Heiligenschein gemalt. Dem Josef keinen. Dafür hat Jesus zwei, denn er ist doppelt wichtig“, erklärt die Künstlerin aus Berghausen. Ein Esel ist zu sehen, er dient den dreien als Transportmittel.

Die Dramatik der Flucht drückt Hogrefe aus, in dem sie die Welt im unteren Teil des Bildes in bedeckten, sumpfen und vergrauten Farben dargestellt. Im Hintergrund ist die Stadt Bethlehem zu sehen. Bilder von der heutigen Stadt dienten Hogrefe, die sonst nicht realistisch malt als Anhaltspunkt. Schafe säumen den Weg der Familie. Den Kontrast zu der irdischen Welt bildet der Himmel, dessen Tor sich über der Familie arkadenförmig öffnet. In fröhlichen, warmen und lichten Farben erscheint die überirdische Welt hoffnungsvoll. Engel musizieren auf Trompeten. Einer von ihnen fliegt zur Erde herab und deutet mit seiner roten Hand, vielleicht schützend auf die Flüchtlinge. Über allen, in der oberen Mitte des Bildes wacht der Stern von Bethlehem, der heute genauso in der Geburtskirche zu sehen ist.

Hogrefe, die sonst mit Acrylfarben arbeitet, gestaltete dieses Bild in Ölfarben: „Öl ist eine königliche Farbe. Um mit ihr zu malen, muss man sich Zeit nehmen“, beschreibt die zweifache Mutter. An diesem Werk in Öl arbeitete sie zwei Wochen lang.

Das die Fluchtgeschichte dieser Familie gut aus geht lässt sich in Marias lächelnden Gesicht ablesen. „Sie schaukelt den Jesus locker“, meint die Künstlerin, die sich allein durch die Kunst finanziert. Monika Hogrefe will in ihren Bildern nicht die Probleme der Welt festhalten sondern eine freundliche Stimmung verbreiten. Und so wirkt auch dieses Werk, trotz ernster Thematik, wie ein fröhliches Märchen.

Erschienen im General-Anzeiger Bonn vom 5.12.2003.

Foto: Frank Homann

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