Ein Heer von Engeln auf transparenter Seide

ADVENTSKALENDER Isabella Hannig und der rote Faden

Von Kathrin Giese

Ein Heer von Engeln auf transparenter Seide von Isabella Hannig. Foto Frank HohmannKÖNIGSWINTER. Ein unzählbares Heer von kleinen Engeln tummelt sich auf dem Werk von Isabella Hannig. Sie fliegen, mit ausgebreiteten Armen durch die Luft. Sausen in Kurven und Bögen geschickt umher. Einige stürzen sich mit dem Kopf voraus in den freien Fall. Andere zeigen akrobatische Flugkünste.

Doch sie sind nicht alleine unterwegs. Dort wo sich die kleinen Flügelwesen verdichten, erkennt man ihren Begleiter: Es ist der Engel der Verkündigung, der von dem Engelschwarm umringt wird.

Stich für Stich

„Ave Maria“ betitelte die Fadenkünstlerin Isabella Hannig ihr Werk.
Vor zwei Jahren entwickelte die frühere Kunsterzieherin eine neue Art des grafischen Arbeitens: Mit einem roten Faden zeichnet sie auf transparenter Seide. Zeichnen, das heißt in diesem Fall Nähen mit der Hand. Dabei muss der Aufbau sorgfältig geplant werden. „Ich kann die Linien nicht aus dem Bauch heraus aus hinwerfen, sondern muss den Faden Stich für Stich materialgerecht mit dem Bilduntergrund verbinden“, erklärt Hannig die Technik.

Transparente Seide

Ave Maria von Isabella Hannig. Foto: Isabella HannigIhre Fadengrafiken bestehen meist aus mehreren Ebenen. Durch die transparente Seide, die als Nähuntergrund dient, schimmert ein Textauszug aus dem „Ave Maria“ durch. Auf der zweiten Bildebene sind ebenfalls die Flügel und das Gesicht des Engels gezeichnet.

Die Rückseite des Fadens lässt sich durch die Seide erkennen. Diese Durchsichtigkeit schafft eine gewisse Neuordnung von der Vorder- und Rückseite. Damit will Hannig den Blick des Betrachters auf die Kehrseite aller Dinge lenken.

Dominierende Linien

Die roten Restfäden der Näharbeit lässt Isabella Hannig bewusst hängen. „Sie sind wie Wurzeln, die den Gläubigen von den Engeln zu geworfen werden“, erklärt die Künstlerin aus Rhöndorf. Nur die dominierenden Linien in den Restfäden werden fixiert.

Nächste Ausstellungen

Einige der Fadengrafiken von Isabella Hannig waren auf der Bonner „Regionale“ 2002 und 2003 zu sehen. Ab Januar 2004 werden sie in der Ausstellung „Bonner in Lübeck“ im Kulturforum Burgkloster in Lübeck gezeigt. Bei beiden Ausstellungen entschied eine Jury, welche Werke der Künstler gezeigt werden dürfen.

Das Atelier und die Galerie „Rhöndorfer Bildergarten“ ist im Internet unter www.isabella-hannig.de zu findenen.

Erschienen im General-Anzeiger Bonn vom 9.12.2003.
Foto oben: Frank Homann
Foto unten: Isabella Hannig

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.