Jesus lässt die Krone links liegen

ADVENTSKALENDER Für die Künstlerin Annett Meißner ist das Gestalten mit Licht von großer Bedeutung. Der Hirtenstab steht in ihrem Bild als Zeichen für Schutz und Sicherheit

Von Kathrin Giese

ADVENTSKALENDER Annett Meißner. Foto: Frank HohmannKÖNIGSWINTER. Die Hinwendung zum Licht ist das Motiv des Bildes von Annett Meißner aus Thomasberg. Hinwendung zum Licht, das ist für die Künstlerin Hinwendung zur Liebe und Freiheit. Auf dem Bild in hellen, sanften Acrylfarben sehen wir eine Familie. Sie steht auf einer uhrenförmig eingeteilten, runden Welt. Der Vater ist groß und steht beschützend im Rücken von Mutter und Kind. Als Symbol für den Schutz gab Annett Meißner ihm den Hirtenstab.


Davor sind Mutter und Kind zu sehen. Das Kind ist noch durch seinen Arm mit der Mutter verbunden. Es wendet sich aber ab und blickt zur großen Sonne. „Es will losziehen und wendet sich dem Licht zu. Es will eigenständig sein“, erklärt das Mitglied der Königswinterer Künstler. Doch dieses Kind ist nicht irgendein Kind sondern Jesus. „Jesus steht über den Insignien der weltlichen Macht“, sagt Meißner. Als Zeichen dafür lässt Jesus die Krone im Bild, das Symbol der Macht und des Materialismus, links liegen. „Geld ist zwar notwendig, aber es wird extrem überbewertet“, erklärt die Künstlerin.

Er bricht auf um die eingeteilte Welt zu verlassen. „Er strebt nach Freiheit. Frei sein von dem Schubladendenken der Menschen auf der Erde. Hin zu einer weniger beurteilenden Sichtweise“, beschreibt Meißner. Jesus lässt das Einteilen der Menschen in Kategorien hinter sich. Er sieht den Menschen als Menschen. Passend dazu fällt der Künstlerin die Geschichte von Maria Magdalena ein: „Die anderen Menschen haben diese lockere Frau verurteilt. Doch Jesus hat zu ihnen gesagt, dass auch diese Frau ein Mensch ist, wie sie selbst“.

Annett Meißner beschäftigt sich gerne mit den Fragen des Lebens. Mit ihren Bildern will die Mutter von zwei Töchtern den Betrachtern gewisse Wahrheiten und Erkenntnisse vermitteln. So sieht sie den Jesus in ihrem Bild stellvertretend für jeden Menschen. Für jeden Menschen, der sich vom festgefahrenen, voreingenommenen Denken trennt und sich dem Licht zuwendet.

Erschienen im General-Anzeiger-Bonn vom 10. Dezember 2003.

Foto: Frank Homann

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