Die Krippe ist leer und Jesus fehlt

ADVENTSKALENDER Kurt Volkerts Bilder zeugen von einer tiefen Religiosität. Der Künstler aus der Altstadt arbeitet im Artelier Meerkatz

Von Kathrin Giese

ADVENTSKALENDER Kurt Volkert. Foto: Frank Hohmann KÖNIGSWINTER. Mit seiner Bleistiftzeichnung zum Thema Christkind will der Künstler Kurt Volkert dem Betrachter die Frage stellen: Was fehlt? Den Titel hat er an das Weihnachtslied „Oh, Du Fröhliche“ angelehnt: „…Welt ging verloren…“ steht in der linken, unteren Ecke. Kurt Volkert, der eigentlich mit Ölfarben malt, wählte für dieses Thema den Bleistift als Ausdrucksmittel.

Auf der monochromen Zeichnung sind Maria und Josef zu sehen. Sie stehen vor einer Wiege. In ihren Gesichtern spiegelt sich Trauer, Schmerz und Verzweifelung wieder. Maria trägt als Zeichen dafür Schwarz. In das Gesicht des Vaters graben sich Furchen. Der Mann legt tröstend die Arme um seine Frau. Diese deutet mit beiden Händen auf die Krippe: Sie ist leer.

„Die wichtigste Person im Bild, das Christkind, ist nicht da“, beschreibt Volkert. Jesus als Zeichen der Religion, des Glaubens fehlt. Die Religion, die Verbindung der Menschen mit Gott und untereinander, geht in der heutigen Welt verloren. „Vielen jungen Menschen ist es peinlich über Religion zu reden. Sie glauben an die ewige Jugend“, meint Volkert, der in der Altstadt sein Atelier in der Meerkatzstraße hat.

Links im Hintergrund sieht der Betrachter zwei Türme. Es ist das World Trade Center, das heute am „Ground Zero“ nicht mehr zu finden ist. Im Schatten dieses Ereignisses ist die Krippe des Christkindes leer. Die Türme, als Symbol des Terrors ragen in die Luft. Doch man muss nach den Ursachen des Terrors fragen: Armut, Hunger, Vernachlässigung und Krankheit herrschen auf dieser Welt. Kurt Volkert hat viele Jahre in den USA gelebt. „Die Zeichnung ist meine persönliche Auseinandersetzung mit dem aktuellen Geschehen“, erklärt der Künstler.

Die Weihnachtszeit ist die Zeit der Besinnung. Sie kann der Anlass sein darüber nachzudenken, was fehlt. Jesus, das Symbol des Glaubens, sollte nicht nur zu Weihnachten die wichtigste Person sein. Im täglichen Leben sollte die Religion einen Platz finden. Ob es Hoffnung gibt bleibt dem Betrachter überlassen. Das Symbol der Hoffnung, die Sonne, ist links am Horizont zu sehen. Doch der Betrachter entscheidet: Geht sie gerade auf, oder geht sie gerade unter?

Erschienen im General-Anzeiger Bonn vom 11. Dezember 2003.

Foto: Frank Homann

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