Zwiegespräch zwischen Stein und Künstler

ADVENTSKALENDER Der Bildhauer Mannfred Hohmann aus Oberdollendorf formt mit Hammer und Meißel eine Madonna aus Carrara-Marmor

Von Kathrin Giese

GA-ADVENTSKALENDER Mannfred Hohmann. Foto: Frank HomannKÖNIGSWINTER. Für Manfred Hohmann sind Steinarbeiten ein spannender Entwicklungsprozess. Schon beim Aussuchen des Steines entsteht eine stumme Zwiesprache zwischen Stein und Bildhauer. „Die äußeren Formen lassen innere erahnen, lösen sich scheinbar auf, um den Kern erkennen zu lassen“, erklärt der Bildhauer und Maler. Auch bei diesem Carrara-Marmor-Stein war es so. In der Toskana im Schatten eines Olivenbaumes enthüllte der weiche, weiße Stein sein Innerstes.


„Steine sind nie homogen. Im Inneren erscheinen Linien, Farben und verschiedene Kristallstrukturen“, erklärt der Bildhauer aus Oberdollendorf. Dieser besondere Stein zeigte interessante graue Einschlüsse. „Der Stein wies außerdem von Anfang an Risse auf, die nicht unwesentlich den Entstehungsprozess der Skulptur beeinflussten“, erinnert sich der Künstler.
Mit Hammer und Meisel legte Hohmann die im Stein schlummernde Gestalt frei: Eine liebliche, schwangere Madonna.

Deutlich ist der große, runde Bauch zu sehen. Mit 1200er Schliff wurde seine Oberfläche weich geschliffen und fühlt sich nun an wie Seide. Aus dem Dreieck über dem Bauch, schaut ein Gesicht dem Betrachter entgegen: Die grauen Maserungen des Steines lassen die Umrisse eines Kopfes erahnen.

„Es ist mir wichtig, dass dem Betrachter viel Raum gelassen wird für eigene Interpretationen. Denn das Geheimnis von Zeugung, Verkündigung und Geburt Christi ist für uns Menschen nicht greifbar“, erklärt Hohmann. Dem kommt zu Gute, dass die drei Dimensionen, die Hohmann beim Herausarbeiten einer Skulptur nutzen kann, ihn oft ins Abstrakte führen. In seinen Bildern arbeitet er im Gegensatz dazu meist konkret.

In der Bildhauerei sind Formen, Flächen und Oberflächen die Spielformen. Eine Skulptur besteht für Hohmann immer aus den Formen Berg, Tal und Kante, die er unterschiedlich ausarbeitet: Einige Teile sind wie der Bauch glatt poliert. Andere werden rau, oder bekommen eine Struktur. Teilweise lässt Hohmann den Stein auch wie ihn die Natur geschaffen hat. „Das mache ich als Verbeugung vor der Natur, dem Kosmos und dem Kreislauf von Entstehen und Vergehen“, erklärt Hohmann. Für ihn liegt die Aufgabe der Kunst darin, in diesem Kreislauf Gefühle und Momente des Seins zu erfassen und festzuhalten.

Erschienen im Gerneral-Anzeiger Bonn vom 12.12.2003.

Foto: Frank Homann

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