Ausgehungerte Gesichter mit traurigen Blicken

ADVENTSKALENDER Anja Neimöck liefert mit ihrem Bild eine Bestandsaufnahme von der Situation der Kinder. „Glauben heißt, ich will etwas ändern“

Von Kathrin Giese

GA-ADVENTSKALENDER Anja Neimöck. Foto: Frank Homann KÖNIGSWINTER. „Wenn man die Welt verändern will, muss man bei den Kindern anfangen“, erklärt Anja Neimöck. Die aus Hamburg stammende Künstlerin sieht in den Kindern die Kraft und das Potential das Leben zu verbessern. Erwachsene kann man nicht mehr ändern, ist ihr Statement. Doch auf der Welt sieht sie die Hoffnungsträger in schlimmen Situationen. Sie leiden an Hunger und Krankheiten, werden misshandelt und verstoßen. Nicht alle können in Liebe und Geborgenheit aufwachsen. „Die Kinder in dieser Welt müssen alles ausbaden“, erklärt Neimöck.

Mit ihrer Collage zum Thema Christkind macht sie eine Art Bestandtaufnahme der Kinder der Welt. Um das ausdrucksstarke Gesicht in der Mitte des Werkes, hat Neimöck viele Ausschnitte von Kinderbildern geklebt. „Eigentlich hat das Kind in der Mitte vor Freude gelacht“, sagt Neimöck. Nachdem sie jedoch das Bild durch die drei Collagen-Ecken erweitert hatte, veränderte sich der Gesichtsausdruck des Kindes. Jetzt sieht es aus als würde es fürchterlich schreien. Als würde ihm der Kopf platzten von der Ungerechtigkeit, die den Kindern auf dieser Welt widerfährt.

Die drei Collagen-Bereiche bilden zusammen im Hintergrund ein Kreuz.
Auf den Ausschnitten sind Kinder zu sehen, denen es gut geht: Sie tragen schöne Kleidung und werden liebevoll aufgezogen. Es sind lachende Kinder, die das Kindsein genießen können und sich nicht schon in den ersten Jahren ihres Lebens sorgen müssen. Sie bekommen Süßigkeiten und haben Freunde mit denen sie spielen können.

Doch die Welt ist nicht für alle Kinder so schön. Viele Bilder von Kindern, aus der so genannten dritten Welt, haben in der Collage Platz gefunden. Es sind traurige, unfassbare Bilder von ausgehungerten Kindern. Hilflos und in Angst. Die Bäuche sind aufgebläht, der Rest des Kinderkörpers besteht nur noch aus Haut und Knochen. Aufgerissene Augen blicken aus diesen Gesichtern dem Betrachter entgegen.

„Jesus hatte die Idee des Weltverbesserns. Er erkannte die Macht der Kinder und die Verantwortung, die wir für sie haben“, erklärt Neimöck, die seit vier Jahren im Rheinland lebt. Für sie ist Weihnachten die Zeit der Besinnung. „Wenn ich sage, ich glaube an etwas, heißt, das ich will etwas verändern“, so Neimöck. Gerade die Kinder in der Welt brauchen Einsatz und Hilfe. „Denn was aus den Kindern wird, ist unser Produkt, unser Werk“, sagt Anja Neimöck. Nur durch die Kinder kann eine bessere Welt entstehen.

Erschienen im General-Anzeiger Bonn vom 13.12.2003.

Foto: Frank Homann

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