Christkind verliert im Rummel seine Identität

ADVENTSKALENDER Christoph Leusmann übermalt ein früheres Bild. Aus einem puttenhaften Jesus wird ein Kind mit abgefrorenen Gliedmaßen

Von Kathrin Giese

ADVENTSKALENDER Christoph Leusmann. Foto: Frank Homann KÖNIGSWINTER. „Jesulein“ betitelte Christoph Leusmann sein Werk zum Thema Christkind. Zu sehen ist eine Übermalung mit Acrylfarben und Kohle. Dabei sind Technik und Titel das Programm. Das frühere Bild, das von Leusmann übermalt wurde, war eine verkitschte Darstellung des Christkindes in der Krippe. „Es war ein puttenhaftes, properes Jesulein, das so aufdringlich in seiner Krippe lag, dass diese eher einem Präsentkorb glich“, beschreibt Leusmann. Es lag im Heu des Präsentskorbs und lächelte wie ein Rauscheengel.


„So etwas fordert mich heraus. Ein solches Bild will ich verändern und zerstören“, erklärt Christoph Leusmann. Das Ziel des Übermalens ist es die Bildaussage neu zu setzten und sie dem Betrachter bewusst vor Augen zu führen. Um dies zu erreichen griff der Künstler aus Oberpleis zur schwarzen Kohle und übermalte in groben Strichen das Bild.

Die Farbe Schwarz wählte er als Symbol für die kalte, bedrohliche Welt in die das Christkind hineingeworfen wird. Eine Welt des Weihnachtskommerzes, in der das Christkind jeder Modewelle angepasst wird. „Jeder Kitsch wird gekauft und verschenkt“, meint Leusmann. Im Schaufenster liegt er und dann unter dem Weihnachtsbaum. Eine raue Welt. Im initiierten Weihnachtsrummel verliert das Christkind seine Identität und wird zur naiv lächelnden Ware.

Diesen Präsentkorbcharakter löschte Christoph Leusmann aus. Das Schwarze soll die Bedrohung darstellen, die das Christkind umgibt. Das Jesulein hat Leusmann in gelb und blau übermalt. Diese Farbwahl des Körpers soll das Jesulein wie erfroren wirken lassen. Abgefrorene Gliedmaßen hat dieses Kind, durch die Kälte der Welt. Weiter soll durch den Farbkontrast dem Bild ein intensiver Ausdruck verliehen werden.

Weihnachten, das ist für Christoph Leusmann Kulturgut. „Es ist ein Familienfest und eine Tradition“, sagt Leusmann. Mit der Übermalung dieses Bildes will er sich gegen den übertriebenen Weihnachtskonsum und die Verkitschung unsere Kultur richten. Eine Übermalung ist für Christoph Leusmann ein besonderes Hilfsmittel, zu dem er nur dann greift, wenn ein Bild ihn zur Handlung auffordert. Für gewöhnlich malt er figurativ abstrakt in Acrylfarben. Seit einem Jahr ist Leusmann Mitglied in der Gemeinschaft Königswinterer Künstler, auf die er durch die Königswinterer Kunsttage im letzten Jahr aufmerksam wurde.

Erschienen im General-Anzeiger Bonn vom 16.12.2003.

Foto: Frank Homann

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