Zum Frieden gehören immer mindestens zwei

ADVENTSKALENDER Der Königswinterer Künstler Erwin Twirdy entwirft Karten für die Weihnachtspost. Solange die Sehnsucht bleibt, ist die Hoffnung nicht vergebens. Pointilismus als spezielle Technik

Von Kathrin Giese

GA-ADVENTSKALENDER Erwin Twirdy. Foto: Frank HomannKÖNIGSWINTER. Die Themen Frieden und Weihnachten gehören für Erwin Twirdy eng zusammen. Seit sehr vielen Jahren entwirft das Gründungsmitglied der Gemeinschaft Königswinterer Künstler Karten für die Weihnachtspost zum Thema Frieden.

Mittlerweile hat er ein ganzes Buch voller Friedenskarten. Die zu sehende Grafik ist das diesjährige Motiv: Eine dürre Hand streckt sich. Sie greift trotz einer Fessel aus Stacheldraht in Richtung Himmel. Dort fliegt eine Taube. Die Friedenstaube.


„Es ist die Sehnsucht nach Frieden, die Menschen zur Taube, die den Ölzweig bringt, greifen lässt“, erklärt Erwin Twirdy. Hinter der Handfläche ist ein großer Stern zu sehen. Es könnte der Stern von Bethlehem sein. Er symbolisiert das Göttliche. Die Grafik malte Erwin Twirdy mit einem schwarzen Fineliner. Als spezielle Technik benutzt er den Pointilismus: Aus viele einzelnen Punkten entstehen Schattierungen und Strukturen. In diesem Bild ist das Leuchten des Sterns aus vielen einzelnen Punkten entstanden.

Auch in der Weihnachtsgeschichte spielt das Thema Frieden eine wichtige Rolle. Bei seiner Auseinandersetzung mit dem Bibeltext fiel dem pensionierten Lehrer für Taubstumme etwas auf: Der Lobgesang der Himmlischen Heerscharen „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden“, endet in den verschiedenen Übersetzungen unterschiedlich. Einmal heißt es „bei den Menschen seines Wohlgefallens“, oder Luther übersetzte nach anderer Überlieferung „und den Menschen ein Wohlgefallen“.

Frieden – allein das Wort ist für Twirdy ein problematischer Begriff, der schwer zu definieren ist. Was ist Frieden, oder wo ist Frieden? Herrscht Frieden dann, wenn kein Krieg geführt wird? Auch hier unterscheidet Twirdy: „Der Frieden der Gewinner eines Krieges ist ein anderer, als jener der Unterdrückten“.

Sicher ist für Twirdy, dass die Menschen nach Frieden streben. „Es ist wie die Sehnsucht nach der Blauen Blume in der Romantik“, beschreibt der Künstler.
Wer sich mit dem Frieden beschäftigt, muss sich zwangsläufig auch mit dem Bösen in der Welt auseinandersetzten. Twirdy fragt: „Welchen Stellenwert hat das Böse? Wieso geschieht so viel Unrecht und Leid auf der Welt?“

„Der Frieden liegt in unserer Hand, doch das ist leichter gesagt als getan. Was passiert, wenn der andere nicht will? Zum Frieden gehören mindestens zwei“, erklärt Twirdy. Doch solange die Menschen die Sehnsucht nach dem Frieden empfinden, meint er, hat die Hoffnung darauf eine Chance.

Erschienen im General-Anzeiger Bonn vom 18.12.2003.

Foto: Frank Homann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.