Säulentrachyt erzählt die Weihnachtsgeschichte

ADVENTSKALENDER Die Künstlerin Ines Emely Depré fertigt aus Walzblech Erzählplättchen. Der Betrachter erhält Freiräume für die eigene Interpretation des Werks.

Von Kathrin Giese

GA-ADVENTSKALENDER  Ines Emely Depré. Foto: Frank HomannKÖNIGSWINTER. Die Künstlerin Ines Emely Depré lässt zum Thema Christkind einen herben Stein sprechen: Einen Säulentrachyt aus dem Siebengebirge hat sie mit Erzählplättchen aus Walzblech bestückt.

Auf ihnen stellt die begeisterte Landart-Künstlerin die Weihnachtsgeschichte in schlichten Symbolen dar.

Die Erzählung beginnt mit der Ankündigung der Geburt Jesu. Zu sehen ist der Engel Gabriel, der Maria die frohe Botschaft der Schwangerschaft überbringt.


Maria kniet ehrfürchtig vor dem Engel, der schützend die Hände über die werdende Mutter hält. Das nächste Plättchen steht symbolisch für die Volkszählung des Kaiser Augustus. Die schwangere Maria, und Josef brechen auf, um sich in Bethlehem registrieren zu lassen. Auf dem Symbol von Depré sind Zählstriche zu sehen.

Zwei leere Plättchen folgen. Sie sollen dem Betrachter Raum lassen, um sich dieses Zwischenstück in der Erzählung selbst auszudenken. Auf dem nächsten Symbol sind die Krippe mit Ochs und Esel zu sehen. Es ist der Stall in Bethlehem in dem das Christkind geboren wurde. Die Hirten auf dem Feld, denen der Engel erscheint, sind als nächstes zu sehen. Auch die Heiligen Drei Könige hat Depré in die Geschichte integriert. Sie sehen den Stern, der ihnen den Weg zu Jesus Geburtsstätte weist.

Das nächste Quadrat erzählt von der Flucht der jungen Familie vor dem Herrscher Herodes. Ein Zeitrad schlägt auf dem letzten Plättchen die Brücke zum Anfang der Geschichte: „Das Rad der Zeit lässt die Geschichte unendlich werden“, beschreibt Ines Emely Depré.

Den herben, anthrazitfarbenen Stein wählte Depré als Träger der Weihnachtsgeschichte, weil er so unverwüstlich wirkt. „Der Säulentrachyd hat mich sofort fasziniert. Die natürlich entstandenen fünf Ecken und Kanten finde ich wunderbar. Er strahlt die gleiche Mystik aus, wie romanische Kirchen“, erklärt Depré.

Für die Erzählplättchen hat Depré Walzblech verwendet. Es ist der Werkstoff, den Dachdecker benutzen. Vorteilhaft für die Verarbeitung ist, dass Walzblech ganz weich und dadurch sehr biegsam ist. In das Blech hat Depré die Symbole eingeritzt und später, um den Kontrast zu erhöhen, mit einem Silberstift nachgezeichnet. Die Geschichtsstücke wurden anschließend an dem Stein fixiert. Der Erzählstein wartet nun darauf seinen Betrachtern die Weihnachtsgeschichte weitererzählen zu können.

Ines Emely Depré hat sich vor kurzer Zeit bei der Gemeinschaft Königswinterer Künstler mit ihrer Mappe beworben. Bei der nächsten Mitgliederversammlung im Januar soll über ihre Aufnahme entschieden werden.

Erschienen im General-Anzeiger Bonn vom 20.12.2003.

Foto: Frank Homann

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