Maria, Josef und das Kind in Gips und Aquarell

ADVENTSKALENDER Krippe war für die Kinder bestimmt

Von Kathrin Giese

GA-ADVENTSKALENDER Ernemann Sander. Foto: Frank HomannKÖNIGSWINTER. Ernemann Sander hat zum Thema Christkind eine Krippe aus dem großen, hohen Regal seines Ateliers heruntergeholt. „Ich habe diese Krippe für meine Kinder gemacht, als diese noch klein waren. Das, was es zu kaufen gab, hat mir nicht gefallen“, erklärt der Bildhauer.


Die Krippen entstanden in den 50er Jahren. Ernemann Sander, der in Leipzig geboren wurde und später in Jena lebte, siedelte 1955 von Berlin nach Bonn über. Die Figuren entstanden in seinen ersten Jahren hier in Bonn. Damals wohnte er in Bonn-Endenich und hatte seine Werkstatt im Florentiusgraben. Seit vielen Jahren hat er sein Haus und Atelier in der Laurentiusstraße in Oberdollendorf.

„Die Krippe ist ganz schön, aber auch ganz anders als das, was ich heute mache“, erklärt das Gründungsmitglied der Gemeinschaft Königswinterer Künstler. Die Figuren sind aus Gips gefertigt. „So habe ich früher gearbeitet, bevor ich mir das Bronzegießen leisten konnte“, erklärt der Künstler. Maria, Josef und das Kind wurden in Aquarellfarbe gefasst.

Die hübsche, junge Mutter hält das winzig kleine Kind in den Armen. „Der alte Josef, die tragische Figur in der Geschichte, steht groß und stark hinter ihnen. Er hat den Buckel für diese Familie hingehalten“, meint der Bildhauer. Deshalb hat der er den Rücken des Josef rund gestaltet. „Mein Sohn Friedemann findet, er hätte was von Quasimodo“, erzählt Sander.

Josef bückt sich zu seiner Frau mit dem Kind herunter. Er reicht ihr die Windel für das Neugeborene. „Er kümmert sich sehr lieb um das Kind“, meint der Vater von fünf Kindern. Besonders die Füße der Figuren sind beeindruckend geformt. Kraftvoll sieht der rechte Fuß von Josef aus, der sich gerade hinkniet. „Leider hat die Krippe meinen Kindern damals nicht gefallen, sie waren wohl noch zu klein“, erzählt er.

Aktuell bringt Ernemann Sander gerade ein Projekt in Bad Hersfeld zum Abschluss: Für die Klosterkirche vom Petersberg hat er ein Bronzerelief geschaffen, das in den letzten Wochen in der Gießerei seines Sohnes Friedemann Sander in Bonn-Beuel gegossen wurde. Es erzählt die Geschichte des engagierten Abt, der das Kloster gründete. Von den Klostermauern sind nur noch einige Steine übrig geblieben. An der Stelle wo einstmals die Abtei stand ist heute ein neues Haus errichtet worden. Die alten Steine wurden in einer Hauswand integriert. Am Sonntag fand das Relief seinen Platz an der Wand.

Doch man muss nicht bis Bad Hersfeld fahren, um die Bronzeplastiken des Künstlers zu betrachten. Etwa in Fünf-Minuten-Abständen findet man im Königswinterer und Bonner Umland Brunnen und Skulpturen von Ernemann Sander: So zum Beispiel in Oberdollendorf die Madonna im Weinberg oder den Cäsarius. Auch das St. Martins-Relief am Bonner Münster ist ein Werk von Ernemann Sander.

Erschienen im General-Anzeiger Bonn vom 22.12.2003.

Foto: Frank Homann

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