An die Stelle von Ochs und Esel tritt der Fisch

ADVENTSKALENDER Der Königswinterer Künstler Heinz Theo Dietz hat das Boot als Symbol dafür gewählt, dass Jesus zu allen Menschen kommt. Fisch als Geheimzeichen der frühen Christengemeinden.

Von Kathrin Giese

GA-ADVENTSKALENDER  Heinz Theo DietzFoto: Frank Homann KÖNIGSWINTER. Zum Thema Christkind hat der Künstler Heinz Theo Dietz ein Werk mit regionalem Bezug geschaffen: Eine Königswinterer Krippe.
Das Besondere an dieser Krippe ist, dass dieses Christkind mit einem Hemdchen bekleidet in einem kleinen Boot und nicht in dem mit Heu und Stroh gefüllten Futtertrog sitzt. Nicht Ochs und Esel stehen ihm zu Seite, sondern ein kleiner Fisch.


Heinz Theo Dietz gab dem Christkind ein Boot, damit es auf den Flüssen und Meeren die ganze Welt befahren kann. Das Boot steht symbolisch dafür, dass Jesus zu allen Menschen auf der Welt kommt und nicht nur zu den Hirten. „Gerade auch zu den arbeitenden Menschen und zu den Obdachlosen wird Jesus mit seinem Bötchen schippern. Für sie ist er auf die Welt gekommen“, so die Vision des Künstlers, dessen Familie schon in der vierten Generation direkt am Flussufer in der Rheinallee in Königswinter lebt und arbeitet. „Du hast ja einen Moses im Körbchen gemacht“, stellte ein Freund der Familie Dietz, der dem jüdischen Glaubenskreis angehört, verwundert fest. Die Parallele zu Moses im Alten Testament war dem Künstler zuvor nicht bewusst gewesen.

Den Bezug zu Königswinter sieht Dietz ebenfalls im Boot: „In Königswinter haben die Menschen immer mit und von dem Fluss gelebt. Früher war Königswinter bekannt für die vielen Schiffer, die auf Frachtern gearbeitet haben“, erinnert sich Dietz. Heute sieht er in den Fähren einen ähnlichen Stellenwert: „Sie sind Teil der Geschäfts- und Aktivitätswelt“, sagt Dietz.

Der Jesus im Boot wird von einem Fisch begleitet. Das Kind legt seine Hand auf den Fisch und scheint ihn zu kraulen. Dietz wählte den Fisch als Begleiter zum einen, weil es ein Wassertier ist, zum anderen, weil der Fisch das Geheimsymbol der frühen Christengemeinden gewesen ist. Die griechische Bezeichnung für Fisch, ichthys, steht für die Abkürzung der griechischen Worte „Jesus Christus, Sohn Gottes, Heiland“.

Entstanden ist jedes Teil der Figuren auf der Drehscheibe. Der kleine Jesus wurde aus lauter Einzelteilen, die alle auf der Töpferscheibe ihre Form bekamen, zusammengesetzt. So entstanden die Beine des Kindes, aus einem Zylinder für die Unterschenkel und einem für die Oberschenkel. Das Knie dazwischen wurde mit der Hand geformt. Auch das Boot entstand auf dem rotierenden Teller und wurde anschließend in der Mitte durchgeschnitten. „Für mich ist die Töpferscheibe ein Gestaltungswerkzeug. Durch ihre Verwendung erhält der Werkstoff eine ganz besondere Form“, erklärt Heinz Theo Dietz.

Bei dem Werkstoff den Dietz verwendet handelt es sich um Steinzeug. Dieser Ton wird bei einer besonders hohen Temperatur von bis zu 1280 Grad Celsius gebrannt. Dabei wurde Eisenoxyd verwendet, um die gewünschten braunen Farbeffekte, zum Beispiel bei den Haaren, zu erzielen. Der Brennvorgang und das anschließende Abkühlen nehmen viel Zeit in Anspruch: Nach elf Stunden Hitze im Ofen kann das Steingut nicht einfach in kaltes Wasser getaucht werden wie beim Schmieden, sondern muss etwa zwei Tage lang langsam abkühlen. Die restlichen Teile der Figuren wurden anschließend transparent lasiert, so dass die Naturfarbe des Tons erhalten blieb.

Erschienen im General-Anzeiger Bonn vom 24.12.2003.

Foto: Frank Homann

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