Jan 18 2004

Rauchkultur begründet

Abgelegt 08:00 unter Artikel,General-Anzeiger Bonn

Von Kathrin Giese

KÖNIGSWINTER. Eine neue Kulturform ist in Königswinter eingezogen. Am Sonntag eröffnete Michael Zoeller den Kunst- und Genussraum gegenüber vom Maritim Hotel. Hier kann ab sofort Rauchkultur erlebt werden. Wechselnde Kunstausstellungen kombiniert mit feinsten indonesischen Rauchwaren werden geboten. Am Sonntag wurde die Ausstellung des Kölner Lettern-Künstlers Henrich Weusthoff eröffnet. Zahlreiche Kunst- und Zigarrenliebhaber fanden sich ein.

Michael Zoeller hat über 20 Jahre in Indonesien gelebt und gearbeitet. Aus Sumatra bringt er als einziger Direktimporteur in Deutschland die Zigarrenmarken Dos Hermanos und die Club Galerie Edition nach Königswinter. Diese Zigarren sind handgedrehte Longfiller, deren Tabake aus den indonesischen Regionen Java, Besuki und Deli, sowie aus Brasilien und der Karibik stammen.

Die Dos Hermanos gibt es in den drei Formaten Churchill, Toro und Robusto und in zwei Linien: Eine Royal Collection und eine Premium Collection. Im klimatisierten Humidor werden die von Hand gedrehten Zigarren mit dem Flugzeug eingeflogen. Im Schaufenster kann man diese besonderen Aufbewahrungsmöglichkeiten, gefertigt aus Edelhölzern der Region, bewundern.

Doch auch für Liebhaber des leichteren Rauchgenusses hat der indonesische Raum etwas zu bieten. Kreteks heißen die auf der Tabakmesse in Dortmund wieder entdeckten Zigaretten mit Nelkenaroma. Auch Kreteks werden von Zoeller importiert. Die Spezialität, die im 19. Jahrhundert entdeckt wurde erhielt ihren Namen nach dem charakteristischen Geräusch, das beim Abbrennen entsteht.

Mit Rauchkultur, will Zöller keine abhängigen Kettenraucher ansprechen, sondern Genussraucher, die im gemütlichen Umfeld genießen wollen. „Der Kunstraum soll ein Mosaikstein im Großkunstraum Königswinter sein“, erklärt Zöller. Alle sechs Wochen wird hier ein neuer Künstler seine Werke präsentieren. Die Lettern-Bilder von Henrich Weusthoff prägen in den nächsten Wochen die dortige Atmosphäre.

Der Kölner Künstler sammelte vor Jahren von kleinen Druckereien in England, Irland und Schottland Lettern, die bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts zum Druck von Plakaten benutzt wurden. In seiner Sammlung finden sich die unterschiedlichsten Typografien: Weiterentwicklungen der antiken, der römischen und der gotischen Buchstaben, die oft durch stilistische Zusätze den Zeitepochen angepasst wurden. Die Schriftzeichen stammen aus Lettermanufakturen und wurden nach 1800 aus den Edelhölzern der britischen Kolonien gefertigt.

Weusthoff befreite sie von der Druckerschwärze, so dass ihre farbige Beschaffenheit zum Vorschein kam. Durch die typografische Vielfalt wurden die Buchstaben für den Künstler zum Gestaltungsmaterial. Weusthoff begann die ersten Bilder zu setzten. In den Werken, die im Kunstraum zu sehen sind, formen sich die Schriftzeichen zum Beispiel zu einem Fisch, oder einem Baum. In der künstlerischen Entwicklung des Letterismus im 20. Jahrhundert traten die Lettern bis dato nur gespritzt, gedruckt oder gemalt auf. Erst Weusthoff ließ sie in ihrer reinen Form wirken und durch sie Bilder entstehen.
Auf den großen Ledersofas und Sesseln des Kunstraumes ist es dem Betrachter möglich in Ruhe die Letternbilder auf sich wirken zu lassen und die Bildaussage zu entschlüsseln. „Es schauen so viele Leute durch das Fenster, doch leider kommt bisher kaum jemand über die Schwelle“, bedauert Zöller. Dabei ist der Kunstraum, nach indonesischem Vorbild, immer geöffnet, wenn jemand da ist.

Weitere Informationen:
Der Kunstraum gegenüber vom Maritim-Hotel in Königswinter ist täglich von 13 bis 21 Uhr geöffnet. Nähere Infos und eine virtuelle Führung durch die Werke von Henrich Weusthoffs gibt es im Internet unter www.type-tech.de.

Erschienen im General-Anzeiger Bonn im Januar 2004

Ein Kommentar

Ein Kommentar to “Rauchkultur begründet”

  1. Ingrid M. Stroham 3. November 2011 um 21:25 1

    Hallo Mike,
    habe jetzt erst diese „Einrichtung“ in KöWi entdeckt.
    Noch immer bin ich Nichtraucherin, dennoch kann ich kultiviertem
    Rauchen – wenn es andere tun – ganz viel Genuß abgewinnen.
    Es würde mich freuen von Dir zu hören… sowieso……
    darüberhinaus habe ich eine Idee, die Dich möglicherweise
    anspricht.
    LG
    Ingrid

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