Den 30. Mai 1970 vergißt Kurt Volkert nie

FILM Neun Reporterkollegen lassen an diesem Tag ihr Leben. CBS dreht einen Dokumentarstreifen über den Vietnam-Krieg nach den Berichten des Königswinterers zum Teil im Atelier Meerkatz

Von Kathrin Giese

Kurt Volkert. Foto: Frank HomannKÖNIGSWINTER. Der 30. Mai 1970 hat das Leben von Kurt Volkert verändert. Niemals wird der Königswinterer jenen Tag vergessen, an dem neun seiner Reporterkollegen in Kambodscha auf brutalste Weise ums Leben kamen. Ein Team des Senders CBS war während des Vietnamkriegs auf der Suche nach einer Story.

Der amerikanische Fernsehsender „History Chanel“ drehte jetzt einen Dokumentarfilm mit Kurt Volkert über dessen Erlebnisse während des Vietnamkriegs. Dort war er als Kameramann für den amerikanischen Sender CBS stationiert. Neben den Originalschauplätzen in Kambodscha entstanden einige Aufnahmen auch im Atelier Meerkatz in Königswinter.

Volkert hätte den verantwortlichen Korrespondenten eigentlich mit der Kamera begleiten sollen, wurde aber spontan für einen anderen Einsatz abgezogen. Ein japanischer Kollege sprang kurzfristig für ihn ein. Die Aktion entwickelte sich für das Fernsehteam von CBS, an das sich ein Team des Senders NBC anheftete, zur Katastrophe. „Sie missachteten alle Alarmzeichen wie verlassene Dörfer und fuhren immer weiter. Selbst der letzte Grenzposten konnte sie nicht zur Umkehr bewegen“, erzählt Kurt Volkert.

An einer gesprengten Brücke wurde die Fahrt des Teams gestoppt. Ein Teil des Trupps fuhr mit dem Jeep durch das Wasser, um zu sehen, was auf der anderen Seite des Flusses passiert. Der Rest der CBS-Crew und das etwas später eintreffende NBC-Team warteten. Das Unglück nahm seinen Lauf: Der Jeep wurde von einer Granate der Vietcong getroffen. Die vier Insassen kamen ums Leben. Kurze Zeit später wurden die fünf anderen Kriegsberichterstatter gefangen genommen und in ein Dorf verschleppt.

Eine Nacht lang wurden sie dort gefangen gehalten. In den frühen Stunden des nächsten Morgens wurden sie über eine kleine Bambusbrücke in das Tempeldorf Wat Po geführt, wo sie auf brutalste Weise mit einer Keule erschlagen wurden. Die Kriegswirren machten die Suche nach den Vermissten ein Jahr lang unmöglich. 1971 gelang es Kurt Volkert, bis zu dem Jeep mit den Überresten der vier Kollegen vorzudringen. Doch die fünf verschleppten Kollegen konnten nicht gefunden werden. Volkert recherchierte und zeichnete Karten. Erst 22 Jahre später konnte er mit einem professionellen Ausgrabungsteam anhand seiner Aufzeichnungen unter dem Schutz einer Hundertschaft der US-Armee vier der fünf Leichen bergen. Dafür wurde der Fluss gestaut und jeder Quadratmeter Schlamm nach Überresten durchsiebt. Der Erfolg wurde jedoch dadurch überschattet, dass die Leiche des für ihn eingesprungen Japaners nicht gefunden werden konnte.

Begleitet vom Filmteam des „History Chanel“, reiste Kurt Volkert im Januar für neun Tage zu den einzelnen Stationen der traurigen Geschichte. Für den Dokumentarfilm lieferte er den roten Faden. Noch einmal übernachtete er in dem Hotel, indem sie damals auf die Kollegen warteten, die nie zurückkehrten. „Mit dem Film ist dieses Kapitel dann endgültig abgeschlossen“, erklärt Volkert. Im Sommer soll der Dokumentarfilm in den USA ausgestrahlt werden.

Buch-Cover A Cambodian Odyssey Weitere Informationen:
„A Cambodian Odyssey and the death of 25 journalists“ ist der Titel des englischsprachigen Buches, in dem Kurt Volkert und T. Jeff Williams über ihre Erlebnisse als Kriegsberichterstatter in Kambodscha berichten.

Erschienen im General-Anzeiger Bonn am 11.02.2004.

Bild: Rekonstruktion: Kurt Volkert zeichnet im Atelier Meerkatz jene Bambusbriicke, über die seine Kollegen in den Tod getrieben wurden. FOTO: FRANK HOMANN

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