Königswinterer Kunsttage 2004

Von Kathrin Giese

Logo Kunsttage 2004KÖNIGSWINTER. In knapp einem Monat wird Königswinter zum dritten Mal ganz im Zeichen der Kunst stehen. Die Vorbereitungen der dritten Königswinterer Kunsttage vom 18. bis zum 28. März laufen auf Hochtouren. Gestern stellte die Kulturgruppe der lokalen Agenda 21 zwei Highlights der zehn Tage im März vor: Die Ausstellung „Louis Ziercke – Maler am Rhein“ im Haus Bachem und das Projekt „Kunstbegehren“.

Bei letzterem werden elf Kölner Kunststudenten zusammen mit Schülern der Jugenddorf Christophorus Schule (CJD) der leer stehenden Jugendstil-Schule am Palastweiher neues Leben ein hauchen. Bürgermeister Peter Wirtz lobte das Engagement der Kulturgruppe: „Die Kunsttage heben Königswinter mit ihrem reichhaltigen und qualitativen Programm aus den Nebenwirkungen des Tourismus der 60er und 70er Jahre hervor“.

Louis ZierckeDer Maler Louis Ziercke gehört zu Generation der Vergessenen. Zwischen den beiden Weltkriegen erschuf der Bad Godesberger Aquarelle und Ölgemälde von hoher Qualität, die sich nur schwer in eine Schublade der Kunstrichtungen stecken lassen. Der Schüler von Lovis Corinth an der Kunstfachschule in Berlin malte realistisch, verwendete aber sowohl Techniken des Impressionismus, als auch des Expressionismus, was sich vor allem in der Farbwahl zeigt.

Viele seiner Werke beschäftigen sich mit der Landschaft des Siebengebirges und lassen einen starken Bezug zu Königswinter, dem Heimatort seiner Frau, erkennen. Seine Enkelin Winifred Scheithe, die den Nachlass zusammen mit ihrem Mann Robert Scheithe verwaltet, lebt noch heute in Königswinter. Durch sie wurde die Agenda 21 auf den fast vergessenen Maler aufmerksam, der nun mit einer Ausstellung während der Kunsttage gewürdigt werden soll.

Im Haus Bachem werden Werke aus Zierckes wichtigster Schaffensperiode von 1920 bis 1935 zu sehen sein. „Die Bilder wirken schwer, tragen aber eine ausdrucksstarke Hintergründigkeit in sich“, erklärte Robert Scheithe. Auch einige der Kohlezeichnungen mit Tiermotiven, wie sie zurzeit im Kölner Zoo ausgestellt sind, werden zu sehen sein. Pünktlich zur Ausstellung wird eine mit 48 Farbaufnahmen bebilderte Biographie des Künstlers erscheinen. Horst Heidermann aus Bad Godesberg, der sich intensiv mit Ziercke beschäftigte wird mit einem Lichtbildvortrag näher auf das Leben und Werk des Künstlers eingehen.

Alte Schule am Palastweiher KönigswinterDas zweite Highlight der Kunsttage ist das Projekt „Kunstbegehren“. Die alte Schule am Palastweiher erhält durch die Kunsttage eine neue Bestimmung. Elf Kunststudierende aus Köln werden das frühere Mädchengymnasium auf der Winzerstraße in ein offenes Atelier verwandeln. In vier Projekten bringen sie Kunst fast 70 freiwillig teilnehmenden Schülern des CJD näher: Die jüngeren Schüler werden eine Weltkugel aus Gesichtsmasken erstellen. Andere werden großformatige Pastellzeichnungen erschaffen und sich in der Raumgestaltung erproben. Darüber hinaus wird ein Landartprojekt auf dem Parkplatz vor der Schule auf die Verwandlung des historischen Gebäudes aufmerksam machen.

Die Türen zur alten Jugendstil-Schule stehen während der Kunsttage von acht Uhr morgens bis 20 Uhr abends für Besucher offen. Den elf Kunststudenten kann während dieser Zeit ebenfalls beim kreativen Schaffen zugesehen werden. Sie stehen im Wettbewerb um drei Kunstpreise im Gesamtwert von 2000 Euro, den die Versicherungsgesellschaft Thuringia-Generali aus München gestiftet hat. Thema des Wettbewerbes ist das Wappentier der Firma, der Löwe.

Neben diesen besonderen Sehenswürdigkeiten bieten die Kunsttage, wie in den vergangenen Jahren, ein breites Programm an Kunst und Kultur, das in zehn Tagen vollständig erscheinen soll. Als Vorbote der Kunsttage finden vom 13. und 14. März eine Ballettgala und ein Ballettfestival im Schulzentrum Oberpleis statt. Das Landesjugendkammerorchester Nordrhein-Westfalen wird am 16. März in der Vorburg zur Schloss Drachenburg in der Stiftung Naturschutzgeschichte mit einem klassischen Konzert musikalisch auf die Kunsttage einstimmen.

Aktuelle Informationen zur den Kunsttagen werden im Internet unter www.agenda21-koenigswinter.de auf den Seiten der Arbeitsgruppe Kultur veröffentlicht.

Erschienen im General-Anzeiger im März 2004.

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