Bei den Kunsttagen ist alles im „Fluss“

Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe wird Traditionsausstellung der Gemeinschaft Königswinterer Künstler im Siebengebirgsmuseum eröffnet

Von Kathrin Giese

Königswinter. Imaginäre Wellen in Öl plätschern über die Leinwand, ein „Fluss“ aus Stahl ergießt sich vor dem Eingang des Siebengebirgsmuseums, ein getöpferter Brunnen leuchtet in prächtigen Farben. Bei den Königswinterer Kunsttagen, die am Donnerstagabend begannen und bis zum 28. März dauern, drehen sich viele Arbeiten ums Wasser. Ob im Ölgemälde mit dem Titel „Weite“ von Heike Kern oder im „Ozean“ von Hilla Schmidt, das lebenswichtige Element fließt in einer Vielzahl von Installationen, die das Thema im Museum und in seinem Innenhof lebendig machen.

Der rostfarbene „Fluss“ von Rainer Sieben vor dem Museumseingang ist aus Corten-Stahl gefertigt und zeigt dadurch Verwitterungseffekte, wie die Säulen der Bundeskunsthalle. Am Donnerstagabend wurde als erste Veranstaltung der Kunsttage die Traditionsausstellung der Gemeinschaft Königswinterer Künstler (GKK) im Siebengebirgsmuseum eröffnet. Es war so voll, dass viele Gäste nur einen Platz im Innenhof ergattern konnten. Von Bänken umgeben, leuchtet der getöpferte Brunnen von Heinz Theo Dietz. Die bronzene „Wassercollage von Königswinter“, geschaffen von Sigrid Wenzel, ist im Museumsinneren zu sehen.

Seit Ende letzten Jahres haben sich 30 Künstler mit dem Thema auseinandergesetzt. „Wasser ist unglaublich vielseitig. Schon in der Natur hat es drei Erscheinungsformen. Das ist genau das richtige Thema für die GKK“, erklärte Ralph-Georg Clauss, der Vorsitzende der Künstlergemeinschaft. In den Werken spiegelt sich die ganze Vielseitigkeit in den Motiven und den Materialien wider. Die „Wassersäule“ von Helene Ramershoven entstand als Linoldruckcollage auf einer gewellten Acrylplatte, aus der sonst Regendächer gebaut werden. Manfred Hohmann hat „Wellen“ aus Bronze und Basalt erschaffen. „Fragil“, zerbrechlich, ist die Eisblume aus Holz von Bernd Klihm. Wasserquallen haben sich im Netz der blauen Fadengrafik von Isabella Hannig verfangen. Der von Geneviève Richarz aus Pappmach‚ gefertigte Meeresgott Poseidon droht mit seinem Dreizack, sich für seine Verletzungen zu rächen. In einer E-Mail-Collage hat Annelore Broscheid den fünften Schöpfungstag dargestellt.

Olaf Schumacher setzt sich bei seinem Bild „Schnäppchenjagd“ mit dem Sea-Life-Center auseinander. Sein „Material“ sei die Wut gewesen. Zu sehen ist ein großer, grimmig schauender Fisch. Aus dessen Maul schnappt eine Zunge nach dem Stadtschild „Sealifeswinter – Denkmalfreie Zone“ in Anspielung auf Königswinter. Um den roten Fisch herum schwimmen nur noch Gräten im trüben Gewässer.

Musikalisch wurde die Vernissage durch den Chor „Al-So mit Bass“ unter der Leitung von Claudia Gorzalka bereichert. Der Sprecher der Kulturgruppe, Klaus Uwe Meier, nutzte die erste Veranstaltung der Kunsttage, um sich bei den Mitstreitern aus der lokalen Agenda 21 zu bedanken, die maßgeblich für das Zustandekommen der dritten Kunsttage verantwortlich sind. „Es ist unglaublich, mit wie viel Freude alle bei der Sache sind“, so Meier. Ebenso dankte er Bürgermeister Peter Wirtz, dem Leiter der Kultusverwaltung, Hans-Peter Giesen, und dem Museumsleiter Elmar Scheuren: „Die Herren der Stadt haben uns großartig unterstützt“.

Mit den Kunsttagen will die Gruppe Kultur die Kunst in Königswinter präsenter machen und zeigen, dass die Stadt mehr als nur „Strohhuttourismus“ zu bieten hat. Die Werke der GKK werden bis zum 18. April zu sehen sein. Das Siebengebirgsmuseum ist täglich, außer montags, von 14 bis 17 Uhr geöffnet, mittwochs bis 19 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr.

Das Programm der Kunsttage ist im Internet unter www.agenda21-koenigswinter.de zu finden. Die Museumsseiten: www.siebengebirgsmuseum.de.

Erschienen im General-Anzeiger Bonn vom 18.03.2004.

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