Die Wartezeiten im Gericht werden angenehmer

Die Gemeinschaft Königswinterer Künstler zeigt ihre Werke im Amtsgericht

Von Kathrin Giese

Königswinter. „Kunst braucht immer den Ort. Sie braucht den Raum, um vor den Betrachter treten zu können. Hier im Neubau haben wir genug davon“, so Amtsgerichtsdirektor Bernhard Hengst. Am Montagabend wurde die Ausstellung der Gemeinschaft Königswinterer Künstler (GKK) im Amtsgericht eröffnet. Mit 51 Werken von 21 ausstellenden Künstlern ist auf zwei Stockwerken des Justizgebäudes die vielseitige Palette des künstlerischen Schaffens der GKK zu bewundern.

Im Vorfeld der Ausstellung zeigte sich bei einigen Künstlern eine natürliche Scheu, ein Gerichtsgebäude zu betreten. Doch Bernhard Hengst erklärte ihnen die Vorteile: „Sie müssen sich um Publikum nicht sorgen. Wir schaffen ihnen von amtswegen die Besucher her, denn deren Wartezeiten vor Gericht gestaltet sich durch ihre Werke angenehmer.“ Auch zeigte er, dass sich die GKK und das Amtsgericht gar nicht so fremd und unbekannt sind.

Die vielen Einzelausstellungen, die es über die Jahre dort gab, sind ein Beispiel dafür. Doch eine interessantere Verbindung konnte Hengst bei seiner Recherche in den Akten des Amtsgerichts finden. Das Ergebnis trug er den Vernissagebesuchern am Montag vor: Die GKK wurde 1978 gegründet und hat sich der Förderung der bildenden Kunst verschrieben. Weiter spricht aus den Akten, dass man sich im ehemaligen Künstlerhaus der GKK nicht einig war, ob der Rasen mit einer Sichel oder einer Sense zu schneiden sei.

Darüber hinaus ist jede Verfassungsänderung im Amtsgericht verzeichnet. Altbürgermeister Günter Hank riet der GKK deshalb damals zur Sparsamkeit, da jede Verfassungsänderung notariell beglaubigt werden muss“, verrät Hengst.

Der Vorsitzende der GKK, Ralph-Georg Clauss, erhofft sich mit dieser Ausstellung einen Beitrag zur Verbesserung der Streitkultur zu leisten. „Die Menschen, die hier ankommen, haben meistens aufgehört mit einander zu reden. Deshalb hängen wir jetzt Kommunikation an die Wand“, so Clauss.

Daher schmückt ein Bild mit dem Titel „Zweisamkeit“ von Hilla Schmidt die Wand vor dem Saal, in dem Scheidungen vollzogen werden. Doch es gibt noch mehr zu sehen: Kunstschmied Rainer Sieben, ein neues und jüngeres Mitglied der GKK, zeigt Arbeiten zum Thema „Freiraum“. In seinen Skulpturen kombiniert er Schmiedehandwerk, antikes Holz aus einem alten Hof aus der Eifel mit emaillierten Kupferplatten. In den farbigen Verläufen der Email hat er deutlich abgegrenzt farblose Freiräume geschaffen. „Es sind die Freiräume, die sich jeder manchmal herausnehmen muss“, erklärt der gelernte Schmied.

Die Künstlerin IMKA entführt den Betrachter mit ihren monochromen Werken in eine Welt in Weiß. Entweder in die schöne Welt der Birkenwälder oder mit dem Werk „Wohnhaft“ in die bedrückende Enge der Hochhäuser. Gisela Mack zeigt eine vierteilige Serie zum „Kleinen Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry. Der Betrachter kann in das tiefe Blau der „Bilder der Stille“ von Marion M. Gebauer eintauchen, oder sich über die veränderte Welt der Fotos von Arno Steinmann wundern.

Die Ausstellung „Ortstermin im Amtsgericht“ ist bis zum 15. Mai zu sehen. Das Amtsgericht, Drachenfelsstraße 41, ist montags bis freitags von 7.30 bis 16 Uhr geöffnet. Außerdem lohnt sich der Besuch der zweiten Ausstellung der GKK zum Thema „Wasser“ im Siebengebirgsmuseum. Geöffnet täglich, außer montags, von 14 bis 17 Uhr. Mittwochs bis 19 Uhr und am Sonntag von 11 bis 17 Uhr.

Erschienen im General-Anzeiger Bonn vom 23.03.2004.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.