Den Löwen sieht man nur aus der Entfernung

Münchner Künstlerin Petra Zadek gewinnt Hauptpreis beim Wettbewerb in Königswinterer Schule am Palastweiher – 2 000 Euro für die besten drei Werke

Von Kathrin Giese

Königswinter. Spannung lag in der Luft, als die elf Kunststudierenden der Gruppe 011 in der alten Schule am Palastweiher auf die Ergebnisse der Jury warteten. Für den Kunstwettbewerb der Münchner Versicherungsgesellschaft Thuringia Generali hatten sich die jungen Künstler in den letzten elf Tagen mit der Wappentier der Firma, dem Markuslöwen, beschäftigt.

Die fünfköpfige Jury musste entscheiden, welche drei Werke die mit insgesamt 2 000 Euro dotierten Auszeichnungen erhalten. „Beim ersten und zweiten Platz waren wir uns sofort einig. Für den dritten Platz mussten wir länger überlegen“, erklärte Jurymitglied Ralph Georg Clauss.

Petra Zadek erhält Hauptpreis

Der Hauptpreis von 1 000 Euro erhielt die Künstlerin Petra Zadek für ihr Werk, das nun im Hauptsitz der Firma in München ausgestellt wird. „Sie hat ganz frech das originale Logo der Firma eingearbeitet und dann mit Schellack einen Löwen darüber gegossen“, erklärte der Künstler Wolfgang Sahlmann, wieso er das Bild auf den ersten Platz setzte.

Tatsächlich lässt sich in den verlaufenden braun-schwarzen Lack- und Acrylspuren aus der Entfernung der mächtige Löwe mit Flügeln erkennen. Auf dem zweiten Platz kam der orange-gelbe Löwe von Aischa Heller.

Löwe im großflächigen Orange

„Ich sehe, dass sie eigentlich keine Lust hatte, in das gute Bild einen Löwen hineinzumalen“, erklärt Wolfgang Sahlmann. Ein witzig anmutender, viel zu harmloser Löwe taucht nur teilweise aus großflächigem Orange auf. Eine Tatze hat er auf die angedeutete Bibel gelegt.

„Ich male eigentlich nicht figürlich und kämpfte deshalb mit dem Löwen, bis ich ihn mit Orange übermalte. Dann bin ich durchs Haus gerannt und hab gerufen, dass ich mein Bild jetzt hab“, berichtete die Künstlerin, die 600 Euro erhielt.

Löwen mit Flügeln

Völlig überrascht war Niko Gebler, der den dritten Platz und 400 Euro erhielt. „Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet“, erklärte der angehende Sonderschulpädagoge. Seine Darstellungsform ist die Fotografie.

Das Problem, einen Löwen mit Flügeln abzulichten, löste er durch das Übermalen des Negativs. In dem Fotolabor, das er sich in der alten Schule eingerichtet hatte, vergrößerte er das Bild des Löwen auf Wandgröße.

Mit vielen Einzelvergrößerungen, die er wie ein Puzzle zusammensetzte, erschuf er ein riesiges Foto. „Ich wollte immer schon mit so großen Abzügen arbeiten und hatte hier zum ersten Mal dine Möglichkeit dazu“, erklärt der 24-jährige Fotograf.

Projekt: Kunstbegehren

Die Jury bildeten Ulrike Meier, die für die Kulturgruppe der lokalen Agenda 21 das Projekt im Palastweiher betreute, Wolfgang Sahlmann aus dem Atelier Meerkatze, der Vorsitzende der GKK, Ralph Georg Clauss, Ekkehard Rent als Vertreter der Versicherungsgesellschaft und Kulturamtsleiter Hans-Peter Giesen.

Am Tag danach feierte die Gruppe 011 den Abschluss des Projektes „Kunstbegehren“ ausgiebig. Viele Besucher kamen, um sich die Ergebnisse des 11-tägigen Schaffens sanzusehen.

Blüten-Installation

Das Jazzduett mit Marta Janicke von der Gruppe 011 und dem Gitarristen Mark Scheel sorgte für die musikalische Begleitung. Im Eingangsbereich schwebte eine riesige Blüten-Installation der Schüler der Jugenddorf-Christophorusschule (CJD), die Weltkugel aus Gesichtsmasken der Unterstufenschüler hing im zweiten Stock.

Für Bürgermeister Peter Wirtz, der eigentlich die Abschlussrede halten sollte, ergriff Hans-Peter Giesen das Wort. Er dankte der Gruppe 011 für die Verwandlung der alten Schule und ihr Engagement bei den Projekten mit den CJD-Schülern. „Das wird bei den Kunsttagen 2005 schwer zu toppen sein“, so Giesen.

Im Namen der Künstlergruppe bedankte sich Fernando van Geeteruyen bei den Machern der Kunsttage und versprach: „Wir sehen uns beim Wet painting im Sommer wieder“.

Erschienen im General-Anzeiger Bonn vom 28.03.2004.

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