POP CLASSICS im neuen Kunstmuseum ARoS

»Die Popart-Künstler haben Bilder geschaffen, die jeder auf der Straße in einem Sekundenbruchteil erkennen kann«, sagte Andy Warhol, der selbst zu den Größen dieser markanten Kunstrichtung des 20. Jahrhunderts zählt. Eine Hommage an die Popart ist derzeit im seit April geöffneten, neuen Aarhuser Kunstmuseum ARoS zu sehen. Das Museum konnte sämtliche Werke aus der Popart-Sammlung des Kölner Museums Ludwig leihen.

Mit »POP CLASSICS«, so der Titel der Ausstellung, wird die Popkunst zum zweiten Mal in Dänemark präsentiert. Zuletzt wurden in den 60er-Jahren in Kopenhagen die farbig strahlenden Pop-Werke in einem Museum gezeigt. In der 1000 Quadratmeter großen Sonderausstellung sind Malereinen, Combines, Grafiken, Installationen und Skulpturen zu sehen. Neben den Koryphäen wie Andy Warhol und Roy Lichtenstein werden dem Publikum wichtige Hauptwerke von Robert Rauschenberg, Jasper Johns und vielen anderen vorgestellt.

»POP CLASSIC« zeigt die amerikanische Popart aus der Zeit von 1956 bis 1975. Der Schwerpunkt wurde bei der Auswahl der Werke vorallem auf die Blütezeit der Popart in den sechziger Jahren gelegt. The American Way Of Life war damals geprägt von Wirtschaftsaufschwung und einem enormen Anstieg des Lebensstandards. Kühlschränke, elektrische Dosenöffner, Waschmaschinen und am wichtigsten, das Massenmedium Farbfernsehen erhielt Einzug in die amerikanischen Haushalte.

Die Regale in den Supermärkten waren überfüllt mit Massenprodukten in Designer-Verpackungen. Die Jugend hörte Rock ’n’ Roll Musik von Elvis Presley und stürmte die Drive-In-Kinos für Filme wie »The wild one« und »Rebel without a Cause« mit denn Leinwandlegenden James Dean und Marlon Brando. Die Jugend-Kultur explodierte und die Jeans wurde zu ihrem Statussymbol. Ein wichtigster Faktor in der Entwicklung der amerikanischen Gesellschaft waren die Massenmedien und die Werbung.

Die Popart-Künstler bemerkten das die Masse der Menschen, die den Broadway entlang läuft, in einer Sekunde die Comics, Kühlschränke, Picknickbänke und Jeans registrierten, die die abstrakten Expressionisten möglichst gar nicht wahrnehmen wollten. So widmeten sich die Pop- Künstler den Bewegungen der Kaufkultur und der Medienwelt. »Ich möchte eine Art »Picasso für alle« schaffen, etwas das wie ein Missverständnis aussieht, aber trotzdem seinen eigenen Wert hat«, erklärte der Künstler Roy Lichtenstein im Jahr 1968. So erklärt sich auch der Begriff »Popart«, der aus dem Wort »populär« abgeleitet wird.

Die Popart nahm gerade die alltäglichen Gegenständen ins Visier. So bildet das Badezimmer die Kulisse in Tom Wesselmann »Bathtub 3« und Jasper Johns lässt zwei alte Bierdosen in »Painted Bronze« die Hauptrolle spielen. Roy Lichtenstein vertiefte den Comic-Stil in seinen scharfen, präzisen Bildern, die durch die- Punktmuster, wie sie beim Drucken entstehen und die strahlenden, wenigen Farben charakterisiert werden. In der Rauminstallation »Horse Blinders« von James Rosenquist wird ein Stück Butter in den Fokus des Betrachters gesetzt, das in der Sonne am Pool schmilzt und der Blick wird auf einen umrührenden Löffel in einem Yoghurtbecher geschärft.

Robert Rauschenberg setzte Stühle ins rechte Licht in seiner auf Geräusche sensibele Installation »Soundings«, die erst bei aufkommendem Lärm den Blick durch das verspiegelte Glas ermöglicht. In seiner Collage »Axle« sind Bilder, die den Zeitgeist der Menschen prägten verarbeitet: Zu sehen ist ein Foto der Mondlandung und der junge Demokrat John F. Kennedy.

»Fast ein halbes Jahrhundert nach dem Popart-Jahrzehnt können viele Menschen immer noch ohne Zögern eine Beschreibung der Kunstrichtung liefern«, stellt Kommunikationsleiter Bjarne Bækgaard fest. Außerdem erfährt die Popart gerade ein Revival in der Mode und im Design. »Wir wollten die erste Sonderausstellung keinem einzelnen Künstler alleine widmen. Dieses Previleg wollten wir einer ganzen Kunstrichtung vorbehalten «, erklärte Bækgaard. Sämtliche Werke der Ausstellung sind Leihgabe des Museums Ludwig in Köln, das die größte europäische Sammlung von amerikanischer Popart besitzt. »Für ARoS symbolisiert die Entleihung den Beginn einer vielversprechenden zukünftigen Zusammenarbeit «, so der Kommunikationsleiter.

Die sieben Meter hohen, weißen Wände unterstreichen die Wirkung der plakativen Farben der Popart, so dass auch die Abordnung des Museums Ludwig von dem Ort an dem ihre Popart-Bilder nun zu sehen sind, begeistert waren.

Die Ausstellung endet nach der Festwoche in Aarhus am Sonntag, 5. September. Das ARoS ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet, mittwochs sogar bis 22 Uhr, montags ist das Museum geschloßen. Der Eintritt kostet 60 Kronen. Kinder bis 16 Jahre haben freien Eintritt, Besucher mit Ermäßigung kommen in den Genuss der Kunst für 45 Kronen. Eine Wegbeschreibung ist im Internet unter www.aros.dk zu finden.

Folgende Popart-Künster sind im Aarhuser Kunstmuseum ARoS ausgestellt.

Erschienen im Nordschleswiger vom 12. Juni 2004.
Text, Fotos, Layout: Kathrin Giese

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