Roskilde Festival 2004

Trotz Regen und Absage von David Bowie feierten 90.000 in Roskilde

Vier Tage knöcheltiefer Schlamm, Live-Konzerte rund um die Uhr und ein riesiges Erlebnisgelände zum Erforschen – das größte Musikfestival Europas zog in diesem Jahr 90.000 Musikbegeisterte nach Roskilde.

Kein David Bowie

Für David Bowie, der am Freitag seinen Auftritt wegen einer verletzten Schulter absagte, sprang kurzfristig die amerikanische Metalband Slipknot ein. In Monsterverkleidung und mit Sound, der am schwersten Ende von Metal anzusiedeln ist, sprachen Slipknot sicher nicht das gleiche Publikum wie David Bowie an, doch das Konzert war gut besucht. »Ihr seid nicht wegen uns gekommen, dafür sind wir aber wegen euch hier«, so der Frontmann von Slipknot zur Menge. Die Band freute sich richtig, auf dem Festival dabei zu sein.

Zelten im Schlamm

Bereits ab dem 28. Juni konnte auf dem Gelände gezeltet werden. Musik kam von der »Camp Stage«, auf der 16 Bands auftraten. Zum eigentlichen Festivalbeginn am Donnerstag hatten sich die Zeltplätze bereits in riesige Schlamm-Ghettos verwandelt. Platz für Neuankömmlinge gab es nur noch an den äußeren Rändern, und wer sich irgendwo dazwischen drängen wollte oder eine neue Zeltreihe gründete, wurde von den »Platzwächtern« zum Umziehen aufgefordert. Der Müllpegel und die Schlammtiefe stiegen über die Tage. Im Vorteil waren alle, die an Opas Klappspaten gedacht hatten und fähig waren, einen Wassergraben zu ziehen. Besonders nahe an den Wegen, wo sich rasch riesige Teiche bildeten, war das überlebenswichtig. Die Bewohner der Zelte ließen sich die Laune nicht verderben. Unter weißen Pavillons und mit Planen zusammengeschlossenen Zeltstädten hockten sie fröhlich im Regen zusammen.

Aktivitäten ohne Ende

Neben den Konzerten gab es einiges zu erleben: In diesem Jahr wurde ein neues Skate-Areal mit Halfpipe eingerichtet, auf der mit Skateboards, BMX-Bikes oder Inlineskates gefahren werden konnte. Profiskater wurden bestaunt. Mit Portrait-Fotos konnte sich jeder an der Foto-Protest-Aktion von „Amnesty International“ gegen Handfeuerwaffen beteiligen. Ein politisches Barometer des Festivals wurde aus Unterwäsche gebaut, die mit politischen Statements der Besucher versehen wurde. Das Hightech-Zelt zeigte Zukunftsvisionen, wie Strom erzeugende, leichte Kleidung. Wer sein Können am Mikrofon unter Beweis stellen wollte, trat auf der immer stark umzingelten Karaoke-Bühne auf. Mehrere Meter hohe Riesen- Comics luden zum Schmökern ein. Graffitikünstler tobten sich ganz legal in einem Graffiti-Workshop und im Wettbewerb aus. Unter dem Motto »Spoken Words« wurden »Poetry Slams« ausgetragen, Geschichten erzählt und vorgelesen. Schon allein die Gestaltung des Geländes mit großen Lichtinstallationen, Hängematten- Hochhaus, einer surrealistischen Stadt und ungewöhnlichen Sitzgelegenheiten wie Riesenkegel oder Cowboysättel, bot Abwechslung.

Moderner Service

Das heutige Festival lässt sich kaum noch mit einem Festival der 70er-Jahre vergleichen. Heute gibt es kostenlose Gepäckaufbewahrungen, welche die Diebstahlquote deutlich senken. Geldautomaten sind auf dem Gelände verfügbar. Die Besucher können umsonst im Internet surfen, das Handy aufladen lassen und mit Shuttlebussen überallhin fahren, sogar ins Schwimmbad von Roskilde. Es gibt eine Apotheke, in der die »Pille danach« das meist gefragteste Präperat ist und zahlreiche Kondom-Stände. Außerdem gibt es alles zu kaufen: Von alternativer Kleidung bis zur kompletten Zeltausrüstung.

Roskilde Festival 2005

In 2005 wird vom 30. Juni bis zum 3. Juli gerockt. Die Veranstalter sehen sich nach einem neuen Gelände um. Der Tierschauplatz, der jetzt im üblen Zustand ist, wird nächstes Jahr u.a. wegen des Autobahnbaus nicht mehr geeignet sein. Das Wiederherstellen des Rasens wird nun bis zu eine Million Kronen kosten.

Erschienen im Nordschleswiger vom 10. Juli 2004.
Text, Fotos, Layout: Kathrin Giese

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Weitere Informationen:
http://www.roskildefestival.dk/
http://www.roskildefestival.de/

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