Auf den Spuren von Marco Polo

Sie ist eine der berühmtesten Expeditionen der Geschichte: Im Alter von 17 Jahren bricht der junge Venezianer Marco Polo mit seinen Brüdern zu einer Reise auf, die 24 Jahre dauern wird. Die unglaublichen Abenteuer und Geschichten aus den fernen Ländern, von denen er erzählt, inspirieren noch heute.

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Länge: 3:13 Minuten / ca. 3 MB.

Von Kathrin Giese

Der amerikanisch-japanische Fotograf Michael Yamashita reist vier Jahre die Abenteuerroute des Venezianers nach: Über den Iran und Irak bis nach Afghanistan und von dort durch die großen Wüsten bis nach China. Die Bilderreise ist jetzt, erstmals in Deutschland, im Übersee-Museum Bremen zu sehen.

Es ist eine ferne und fremdartige Welt, die der amerikanisch-japanische Fotograf Michael Yamashita von seiner vier-jährigen Reise mitbringt. Die 70 warm-farbigen Fotografien, die nun im Überseemuseum zu sehen sind, zeigen berührende Portraits: Ein Opiumraucher liegt im Delirium auf einem Teppich in Afghanistan. Ein Saduh, ein indischer Asket im Namen Shiwas hat bodenlange, verfilzte Haare, so genannten Dreadlocks und sitzt in sich gekehrt vor einem Baum vor einem Baum in Bombay. Es sind die Menschen, ihre religiösen und handwerklichen Bräuche, die Yamashita auf faszinierende Weise einfängt. Umgeben sind die Portraits von traumhaften Landschaftsaufnahmen. Als Yamashita aufbrach, hatte er sich eines fest vorgenommen: Er will beweisen, das Marco Polo wirklich bis nach China gereist ist.

Vorwürfe an Marco Polo

„Konkreter Anlass war eine Publikation der Sinologin Frances Wood, die 1996 in England ein Buch veröffentlich hat. Sie stellte die Frage ob Marco Polo wirklich in China gewesen ist, oder ob die Berichte letztendlich aus fremden Quellen und aus seiner Phantasie entstanden sind“, erklärt Ilka Backmeister, die Projektleiterin der Fotoausstellung.
Was Marco Polo in seiner Erzählung „Die Wunder der Welt“ schildert, scheint unglaublich – damals wie auch heute. Doch vieles hat Yamashita genauso in den Ländern wieder gefunden, wie es der Venizianer vor 700 Jahren beschrieben hatte: Die Schilfhäuser in Basra, die Yade-Minen in Khotan, oder ein Volk in Yunnan, das rohes Fleisch isst. Eines bleibt nach wie vor ungeklärt:

Verstümmelungen in China

„Es ist nicht ganz klar, ob Marco Polo die eingebundenen Füße bei chinesischen Frauen gesehen hat, jedenfalls hat er sie nicht beschrieben. Die Autorin Frances Wood nahm an, dass Marco Polo sie nicht wirklich gesehen haben kann, da er sie sonst hätte beschreiben müssen“, weiß Ilka Backmeister. Das grausame verstümmeln und einschnüren der Füße ist heute offiziell verboten. Alte Chinesinnen, die diese leidvolle Prozedur aus ästhetischen Gründen über sich ergehen ließen, sind Michael Yamashita auf seiner Reise noch begegnet. Die Fotos lassen die Qualen erahnen, die die alten Frauen noch heute erleiden: Sie stützen sich auf Gehstöcken um ihre verstümmelten Füße, die in Kinderschuhen passen, zu schonen. Die Fotos zeigen nicht nur die schönen Seiten der Länder, sondern auch die harte alltägliche Welt der armen Landbevölkerung, jenseits der Touristenströme: zu sehen sind Kinder beim Gold waschen im Fluss, oder beim Reis sieben, ein Bauer wie er sich mit seinem Esel durch den Schneesturm kämpft.

Ein logistischer Alptraum

Auch für den Fotografen war die Reise, die er 1997 antrat kein Urlaub, sondern durchaus gefährliche Arbeit. „Die Reise hat Yamashita als einen logistischen Alptraum beschrieben: Er musste sehr viel Rücksicht auf Kriegsgebiete nehmen, auf Flugverbotzonen der Vereinten Nationen und auf vermintes Gebiet. Einige Landstriche waren in der Hand von bestimmten Gruppierungen, wie der Nordallianz damals. Die Schwierigkeit lag darin, in allen Fällen einen praktikablen Weg zu finden, dennoch dort reisen zu können“, so Ilka Backmeister.
Yamashita hat als Fotograf sämtliche Kontinente bereist, doch seine größte Leidenschaft gehört Asien. Die Marco Polo-Tour war bisher sein umfangreichstes Projekt: Mit vier Kameras, einem Dutzend Linsen und tausend Rollen Film reiste er von Venedig bis nach China.

Yamashitas Fazit

Am Ende kommt er zu dem Schluss, „dass Marco Polo alles was er beschrieben hat auch gesehen hat. Er glaubt sehr fest daran, dass Marco Polo wirklich in China war“, so Ilka Backmeister. Gründe dafür sind die vielen Parallelen und Einzelheiten, die Yamashita genauso an den Stellen vorgefunden hat, wie Marco Polo sie auch in seinen Geschichten beschrieben hat. Die Fotoreise im Überseemuseum endet keineswegs in China. Der Fotograf hat auch den Rückweg über Sumatra, Sri Lanka bis zur Küste Indiens und zurück nach Italien auf den Spuren Marco Polos bereist. Dieser Teil der Reise ist im zweiten Stock des Überseemuseums zu bestaunen.

Im Überseemuseum

Die Fotoausstellung „Marco Polo – Eine wundersame Reise“ ist eine Ergänzung der neuen Asien-Ausstellung im Überseemuseum, die seit der Eröffnung vor drei Wochen bereits 20.000 Besucher angezogen hat. Michael Yamashitas Fotografien sind bis zum 25. Juni zu sehen.

Erschienen auf www.radiobremen.de, 14. März 2006
und als Radio-Beitrag im Nordwestradio von Radio Bremen.

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