Anathema – A Natural Disaster

Tief greifende Anspannung und eine Songkonstruktion, die an Pink Floyd erinnert: Mit ihrer neuen CD „A Natural Disaster“ ist der britischen Band Anathema ein Meisterwerk gelungen.

Von Kathrin Giese

Anathema – A Natural Disaster - CoverSchon das Cover von „A Natural Desaster“ ist ein Kunstwerk und fängt die Stimmung der CD bildlich ein: Ein einsames Boot liegt still in einer viel zu winzigen Pfütze, die wie Quecksilber glänzt. Die Person im Boot, ein schwarzer Schatten mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze, sitzt zusammen gekauert mit dem Rücken zum tiefroten Abendhimmel, verlassen und einsam.

Von Doom-Metal zu Pink Floyd

Anathema – A Natural Disaster - Cover RückseiteDie britische Band Anathema setzt mit ihrer neuen CD „A Natural Disaster“ ihre eingeschlagene Entwicklung fort: Während ihre ersten Platten in den 90er Jahren, wie die „Pentecost III“ in den harten Metal-Gefilden, wie dem Doom-Metal, anzusiedeln waren, hat Anathema mit „A Fine Day To Exit“ ihren Stil gefunden: Melancholisch, aber Kraft voll, mit sanfterer Stimme, klaren Vocals und wunderschönen Gitarrenläufen.

Sphärische Verzweifelung

Sphärisch beginnt die CD mit dem Song „Harmonium“. Düsterer, eingängiger Rhythmus wechselt sich mit anklagendem Gitarrensound ab, verschmilzt im Refrain zu einem großen Klanggebilde mit der Stimme des Sängers Vincent Cavanag. Der zweite Song „Balance“ beginnt mit sanftem Gitarrensound. Baut mit Einsetzten des Schlagzeugs Spannung auf, das Tempo steigt. Seinen Höhepunkt erreicht der Song zu den Worten „until death’s mirror reflects the meaning of our lives we wander aimless and mesmerised as the fear starts to rise”. Es folgt die Eskalation, bis sich die ganze Szenerie in Rauch auflöst.

Ein beeindruckendes Gesangstück ist Anathema mit „Are you there?“ gelungen. Es beginnt mit verschleiertem Orgelsound, die hohe Frauenstimme von Anna Livingstone eröffnet die spektrale Ebene des Songs. Flüsternd und zerbrechlich erzählt Sänger Vincent Cavanag: „but since you’ve been gone I’ve been lost inside
tried and failed as we walked by the riverside and I wish you could see the love in her eyes”. Und fragt vorsichtig „where are you when I need you… are you there?”

Rasanter und gewaltiger Sound

Den Höhepunkt der CD bildet „Pulled under at 2000 meters per second”. Dieses Stück zeigt, dass die Gewalt und Energie aus der frühen Anathema Zeit noch in ihnen steckt, sich jedoch wunderbar mit ihrem neuen Sound verbinden lässt. Der Titelsong „A Natural Disaster” wird mitreißend und sehr atmosphärisch von Lee Douglas, der Schwester von Drummer John Douglas gesungen: „Cos no matter what I say, no matter what I do, I cant change what happened”. Ausklingen lässt Anathema „A Natural Disaster“ mit „Violence“ in perfekter Harmonie und leisen Töne. Ein Moment zum Innehalten.

Offizielle Homepage von Anathema

Erschienen im Magazin „Kulturen„, Ausgabe April 2006.

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