U-Bahnhof Kottbussertor

Im Loch der U8 stehen sich die Penner die Beine in den Bauch. Es regnet über der Erde. Hier, tief unter der Erde ist es warm und trocken. Die Luft riecht elektrisch und Fahnen von Alkohol ziehen an mir vorbei. Die Bahn Richtung Wittenau kommt in sechs Minuten.In der Nische zwischen geschlossenem Kiosk und Bauzaun bricht ein Streit die Stille. Ein betrunkener Mann schreit seine vermeintliche Freundin zusammen. Sie sieht billig, aber dennoch gut gekleidet aus: Steak-House-Bedienung mit Ambitionen zur Detektiv-Sekretärin. Er hin gegen wirkt richtig abgewrackt. Ihre Stimme bleibt immer übertrieben ruhig und leise. Er beschimpft sie lauthals. Rennt fluchend weg, sie hinterher.

Dort wo gerade noch der Streit alle Blicke auf sich zog, bleibt eine sternhagel-betrunkene Frau stehen. Sie trägt Trainingsanzug und eine schwarze Western-Handtasche, die sie auf die Kiosk-Theke abstellt. Ihre Knie wirken wie weiches Gummi. Sie sackt immer wieder Richtung Boden. Bis sie fast hinfällt. Fängt sich dann aber wieder. Sie wiederholt die Bewegung. Fast wie eine Übung. Es muss schrecklich anstrengend sein. Ihre Handtasche fällt herunter. Mit einem Fetzen Serviette wischt sie sich Spucke vom Mund und sucht ihre Tasche.

Da fährt meine Bahn ein.

Postkarte aus dem Printprojekt bei Thea Herold

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