Kunst für Dummies

Museen besuchen wie die Profis: Taugen diese Kunstwerke etwas? Was sind die größten Werke der westlichen Zivilisation? Um solchen Fragen zu beantworten, muss man nicht Kunst studiert haben – das meint zumindest Thomas Hoving in seinem Buch Kunst für Dummies.

Von Kathrin Giese

Kunst für Dummies - Buch-CoverDie erste Seite des Buches kann man ausschneiden: Es ist die Schummelseite für die Hosentasche. Darauf befinden sich Checklisten, die auch dem größten Kunst-Banausen einen Zugang zu aktuellen Kunstausstellungen ermöglichen. Wenn man zum Beispiel feststellen will, ob ein Kunstwerk wirklich etwas taugt, kann man sich folgende Fragen stellen: Drückt es erfolgreich das aus, was es ausdrücken möchte? Erstaunt es Sie jedes Mal wieder, wenn Sie es betrachten? Wächst es im Format? Reift es kontinuierlich weiter? Wächst die Kraft seiner puren und geheimnisvollen visuellen Ausstrahlung mit jedem Tag? Ist es unvergesslich?

Laut Autor Thomas Hoving, dem ehemaligen Direktor des Metropolitan Museums of Modern Art in New York ist das Werk mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit ein großartiges Kunstwerk, je mehr Fragen mit „Ja“ beantwortet wurden. So einfach kann das sein. Obwohl: Wie kann denn ein Kunstwerk im Format wachsen oder reifen, wie ein Wein? Egal – nächste Checkliste.

Verlaufen wie die Profis

Um Museen wie ein Profi zu besuchen, gibt es einige grundlegende Tricks. Erstens: Man nehme eine Postkarte mit in die Ausstellung, denn Postkarten sind viel preiswerter und leichter als dicke Bücher. Die Karte kann man, wenn man sich im Museum verläuft, einem Wärter zeigen und er weist einem direkt den Weg. Zweites: Wird der Museumsbesuch langweilig, schreibt man eine Liste mit den Objekten, die man am liebsten stehlen würde. Ist es ein Gruppeausflug, können die Listen anschließend verglichen werden. Welch ein Spaß! Drittens: Musik hören mit dem CD-Player – am besten klassische Musik – das verändert den Besuch der Ausstellung. Viertens: Schauen Sie sich an, was sie nicht mögen. Fünftens: Richtig professionell wirkt man als Mitglied eines Museums.

Ein Nachschlagewerk

Wer es jetzt noch etwas genauer wissen will, findet es mit Sicherheit im zwölfseitigen Inhaltsverzeichnis. In den siebzehn Kapiteln des zweiten Teils macht der Autor einen Exkurs durch die Jahrhunderte, von Prähistorischer bis zur Modernen Kunst. In diesem Teil werden auch die wichtigsten Künstler vorgestellt. Picasso zum Beispiel „war genau wie Dürer superegozentrisch“ und sein Lieblingsbuch auf Japanisch hat er nie gelesen, weil er kein Japanisch kann.

Nur wenige Abbildungen

An Abbildungen hat der Autor bewusst gespart, denn diese können keinen Museumsbesuch ersetzten. Das ist auch sein Rat: Viel Kunst sehen und öfter ins Museum gehen. Was jeder einmal gesehen haben sollte erklärt der Top-Ten-Teil: von Tut-ench-Amuns goldener Maske bis zu Picassos Les demoiselles d’Avignon.

Insgesamt ist Kunst für Dummies ein unterhaltsames, leicht verständliches Nachschlagewerk mit vielen Checklisten, das aber höchstens den ersten Zugang erleichtert. Ein Mangel: Die Originalausgabe wurde für den amerikanischen Markt geschrieben, weshalb leider auch die deutsch Version nur auf die dortigen Museen intensiv eingeht. Vielleicht erscheint ja noch Kunst für europäische Dummies.

Hinweis:
Die zweite Auflage von „Kunst für Dummies“ ist 2005 bei Wiley-VCH erschienen und kostet 12 Euro.

Erschienen im Magazin „Kulturen„, Ausgabe September 2006.

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