Seifenblasen aus Platin

Nanoforscher stellen winzige Metallkügelchen her und nutzen Fett zur Formgebung. Platin ist ein edles Metall, selten und beständig. Wegen dieser Eigenschaften werden nicht nur kostbare Schmuckstücke aus dem Edelmetall gefertigt, sondern auch Laborgeräte oder Implantate.

Von Kathrin Giese

Platin. Fotograf: TomihahndorfPlatin wirkt als Katalysator: Es kann die Reaktionsgeschwindigkeit beschleunigen, ohne selbst dabei verbraucht zu werden. Ein Forscherteam um John A. Shelnutt, Universität von Georgia im amerikanischen Athens, hat nun eine Methode entwickelt, mit der nanoskopische, hohle Kugeln aus Platin hergestellt werden können. Wie die Forscher im Fachmagazin „Angewandte Chemie“ jetzt berichteten, ist es möglich, relativ große Nanokäfige herzustellen.

Große Oberfläche

Die Kügelchen bestehen nicht mehr aus einzelnen Partikeln, sondern aus durchgehenden, fein verästelten Platinschichten. Dadurch sind sie stabiler als ihre Vorgänger. Kugeln mit Durchmessern von bis zu 200 Nanometern (Millionstelmillimetern) und einer Schalendicke von zwei Nanometern können hergestellt werden. Dabei bieten sie eine große Oberfläche bei geringem Verbrauch an Platin.

Lipsome als Vorbild
Für die Herstellung benutzten die Forscher Liposome, um das feine Platin zwischen deren doppelten Lipidschichten aufzubauen. Lipide sind Naturstoffe, die sich im Wasser zu Kugeln formen und mehrere Schichten bilden können. Liposome sind auch in Hautcremes enthalten: Die winzigen Fettkügelchen sollen ihren wirksamen Inhalt, zwischen den membranartigen Schichten geschützt, durch die Haut schleusen.

Lichtaktiver Katalysator

Diese Membranen machen sich die Forscher zunutze: Zwischen die Lipidschichten wird ein Katalysator eingepasst, der mit Licht aktiviert werden kann. Das veränderte Liposom wird in eine Lösung aus Platinsalz getaucht. Bestrahlt man dieses dann mit Licht, setzt sich eine Reaktionskette in Gang, die das Platin, Atom für Atom, in den Zwischenraum zieht.

Haben sich erste Klümpchen gebildet, wird das Platin aktiv und beschleunigt die Freisetzung von Platinatomen aus dem Salz. Eine verzweigte, stabile Kugel entsteht.

Erschienen im Tagesspiel, „Wissen & Forschen“ vom 3.11.2006.

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