Jan Fabre erforscht Gehirne

Besuch der Ausstellung „From the Cellar to the Attic – From the Feet to the Brain“ von Jan Fabre

Von Kathrin Giese

In den Laufgräben des Gehirns als Künstler-Liliputaner. Foto: Markus Tretter, © Jan Fabre/VBK, Wien, 2008, Kunsthaus BregenzJan Fabre mag es drastisch. Im Kunsthaus steht er lebensgroß auf einem überdimensionalen Kopf. Dieser liegt halb verwest in einer Schützengrabenlandschaft. Umgeben von Einschlagskratern riesiger Geschosse schaufelt sich Fabre dort einen Zugang durch die Schädeldecke zum Gehirn.

Abgründe im Gehirn

Der Künstler legt selbst Hand an. Wie ein Forscher will er die Abgründe der menschlichen Existenz erforschen und freilegen, was den Menschen zu seinem Handel treibt. Für die Kriegslandschaft baut er im Kunsthaus Bregenz das oberste Stockwerk um: schafft Tonnen von Erde hinein.

Perverses Labor

Echte Gehirne zeigt er im Keller der Kunsthauses. Dort herrscht bedrückende Bunkeratmosphäre. Für Fabre der Ort für das verborgene Ich. Durch eine halbgeöfnete Bunkertür sieht der Besucher ein Laboratorium des Schreckens. Regale, mit schwerer Munition beladen. Neben Granaten und Raketen stehen eingelegte Gehirne und andere Organe.

Baumelnde Hirnbeine

Dort kann der Besucher auch ein Markenzeichen von Fabre entdecken: Mit dem Kugelschreiber beschriebene Oberflächen. Hier sind es Betten, die mit dem Bic-Kugelschreiber beschrieben wurden. Neben ihnen baumeln Beine aus Hirnmasse von der Decke.

Millionen tote Käfer

Ein weiteres Markenzeichen findet zwei Stockwerke darüber: Die schillernden Panzer des thailändischen Juwelenkäfers. Fabre hat einen Teil seiner permanenten Installation im Spiegelzimmer des Königlichen Palastes in Brüssel kopiert. Er hat die Decke abstürzen lassen. Sie ist mit Millionen der Panzer beklebt: Muster des Schreckens. Denn mitten auf der Decke liegt ein nackten Kongolesen mit Folterspuren. Er sieht so echt aus, dass man ihn fast schon qualvoll Atmen hört. Mit dieser Arbeit will Fabre die belgische Kolonial-Herrschaft kritisieren.

Dauer-Erektion im Erdgeschoss

Wer den Künstler zu seinem Schaffen inspiriert hat, das sieht der Besucher schon beim Eintritt in die Ausstellung. Im Erdgeschoss liegt der junge Jan Fabre, wieder lebensecht dargestellt, in einem riesigen Haufen aus Grabsteinen. Auf ihnen sind die Namen großer Dichter und Denker mit Käfernamen chiffriert, die Fabre beeinflusst haben. Und mitten in ihnen liegt der Künstler mit einer Dauer-Erektion. Mit ein bisschen Geduld sieht der Besucher auch, wie sich Jan Fabre in einer zwei Meter hohen Fontaine  auf die Gräber ergießt. Das provoziert und gibt Stoff zum Nachdenken –  noch bis Ende Januar im Kunsthaus Bregenz.

Fernseh-Beitrag für „Baden-Württemberg Aktuell“ im SWR Fernsehen. Gesendet am 17.10.2008, um 21:45 Uhr.

Weiter Informationen:
Die Ausstellung „From the Cellar to the Attic – From the Feet to the Brain“ läuft noch bis zum 25. Januar 2008.

Links zum Thema:
Kunsthaus Bregenz, Jan Fabre in der engl. Wikipedia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.