Hochradioaktive Atomsuppe in Karlsruhe

RadioaktivFlüssiger Atom-Müll trifft Quarz. In der Wiederaufbereitungsanlage in Karlsruhe sollen  60.000 Liter hochradioaktiver Atommüll in eine transportable Form gebracht werden. Sie werden in der kommenden Woche in Glas gegossen.

Von Kathrin Giese

Atomsuppe wird der Abfall verharmlosend in den Medien genannt. Tatsächlich ist die flüssige Mischung die in großen Tanks in der Wiederaufbereitungsanlage in Karlsruhe lagern ein Gemisch aus Salpetersäure und verschiedenen hochradioaktiven Resten: 16 Kilo Plutonium, 500 Kilogramm Uran und jede Menge Spalt-Produkte. Abfälle aus der Wideraufbereitung zwischen 1971 und Anfang der 90er Jahre. Sie stammen ursprünglich aus verschiedenen Atomkraftwerken und einem Schiffsreaktor.

In Karlsruhe sollen nun die 60.000 Liter heißerAbfall in einen festen Zustand gebracht werden. Nach vielen Verzögerungen beginnt in der kommenden Woche der Betrieb. Gestern Nachmittag wurden die ersten 50 Liter Abfall-Lösung in die  Verglasungsanlage transferiert. Als nächstes Stufe folgt der nukleare Probebetrieb, zuerst mit einer verdünnten Abfall-Lösung.

Und so funktioniert die Verglasung

Der flüssige Atom-Müll wird in den Schmelzofen eingespeist und bei Temperaturen bis 1200 Grad mit Glaskügelchen zu einer homogenen Masse verschmolzen.

Die radioaktive Glasschmelze wird in insgesamt 130 Edelstahlbehälter gefüllt, so genannte Kokillen. Diese werden abgekühlt, verschweißt und von außen dekontaminiert. Nach rund eineinhalb Jahren – etwa Ende 2010 sollen die gesamten Abfälle in transportfähige Glaskörper gegossen sein. Doch wie sicher ist eigentlich die Aufbewahrung in Glas?

„Glas ist eine der stabilsten Lagerformen für hochradioaktive Abfälle. Glas ist chemisch stabil, es ist auslaugbeständig und erfüllt von daher die Anforderungen, die an ein Endlagergebilde gestellt werden“, sagt Dr. Martin Weishaupt, Anlagenleiter der Wiederaufbereitungsanlage in Karlsruhe.

Doch genau da liegt das Problem. Ein Endlager für die Glas-Kokillen ist noch nicht gefunden. Die Zwischenlösung: Bis alles abgefüllt ist, lagern die Glas-Kokillen in Karlsruhe. Vor dort werden sie Ende 2010 in fünf Castor-Behältern in das Zwischenlager der Energiewerke Nord bei Greifswald transportiert. Eine endgültige Lösung ist noch nicht in Sicht.

Gesendet am 2. Spetember 2009 in der Sendung „Nano“ auf 3Sat. Hier kann der Beitrag angesehen werden.

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