Okt 20 2010

Einfach nur sitzen

Abgelegt 12:10 unter Artikel,BNN

Viermal pro Woche trifft sich die zen-buddhistische Gruppe in Baden-Baden zur Sitzmeditation Zazen

Von  Kathrin Giese

Zen-Meditation. Foto: GieseMit einem weichen Klang, ertönt das Schlagholz im Zen-Dojo „Sui Hô“ in Baden-Baden. Für die zehn Männer und Frauen, die sich an diesem Montagabend eingefunden haben, ist dieser Klang ein Zeichen nun zur Ruhe zu kommen. In den nächsten eineinhalb Stunden wird Zazen praktiziert.

Zazen ist das japanische Wort für Sitzmeditation. „Zazen bedeutet einfach nur sitzen“, beschreibt der ordinierte Zen-Mönch Gregor Rinko Stehle, der seit 2003 die zen-buddhistische Gruppe in Baden-Baden leitet. Rinko ist sein Mönchsname und heißt „Tiger des Waldes“. Nach elf Jahren Leben im Zen-Kloster Ryumonji im elsässischen Weiterswiller ging es Rinko darum, den Zen-Buddhismus für andere erfahrbar zu machen.

„Glück ist nicht wenn man alles hat, sondern wenn man mit dem zufrieden ist, was ist.“ Zen-Mönch Gregor Rinko Stehle.

Andächtig begibt sich die Gruppe in den Meditationsraum des Yogalofts Lumbini, aus dem sich warmes Licht und dezenter Duft von Räucherstäbchen ausbreitet. Einige Verneigen sich vor dem kleinen Altar mit Buddha-Statue, alle vor ihrem Sitzplatz. Auf ein großes, weiches Kissen wird ein kompaktes, rundes Sitzkissen gelegt und in einer aufrechten Haltung mit Blick zur Wand Platz genommen. Rinko schlägt dreimal eine kleine Klangschale an. Es folgen 35 Minuten pures Sitzen.

Zen-Mönch Gregor Rinko Stehle. Foto: Giese„Für mich ist es ein zur Ruhe kommen, eine Konzentration auf das Hier und Jetzt“, sagt Gudrun Pohl aus Karlsruhe, die seit eineinhalb Jahren Zazen übt. Die Gedanken loszulassen, ist die Kunst des Zazen. Gerade das ist am Anfang die Hürde. Alle möglichen Gedanken kommen einem während der Meditation in den Sinn: Arbeit, Langeweile, Schmerzen, Müdigkeit, Wut. Es geht darum sie einfach ziehen zu lassen, sich nicht mit ihnen zu identifizieren und ihnen anzuhaften. „Alle Unzufriedenheit entsteht im Geist . Die Gedanken trennen uns von Glück und Zufriedenheit“, weiß Rinko. Holger Weißenborn aus Rastatt bemerkt schon nach einem Jahr eine Wirkung des Zazen: „Die Ruhe der Meditation wirkt in den Alltag nach. Wenn es auf der Arbeit mal lauter zu geht, merke ich, dass ich gelassener geworden bin.“ Für ihn ist Zazen die kompromissloseste Art Mediation zu üben, ohne Musik und ohne viel Drumherum.

Im Dojo erklingt die Klangschale zweimal. Sie ruft zur zehnminütigen Gehmeditation „Kinhin“ auf. Im Uhrzeigersinn und in der gleichen Oberkörperhaltung wie beim Sitzen, wird mit jedem Atemzug ein Schritt vorwärts gegangen. Beim nächsten Klang der Schale nehmen alle wieder Platz. 35 Minuten Meditation folgen auf die nächsten drei Töne der Klangschale. Stille, die erst durch das Schlagholz im Flur wieder gebrochen wird. Zum Abschluss wird gemeinsam aus der „Sutra der großen Weisheit“ auf japanisch gesungen. Drei tiefe Verbeugungen, bei denen die Stirn den Boden berührt, beenden die Zeremonie.

„Zazen kann jeder auch zu Hause probieren. Die Gruppe wirkt allerdings wie ein Spiegel, in dem man sich selbst erfährt“, so Rinko. So merkt man während der Gehmeditation, dass man selbst zu schnell läuft und nimmt sich zurück. „Erst in der Reibung mit den anderen lernt man sich kennen.“ Das gemeinsame Singen der Sutra, sorgt dafür, dass man die eigen Erfahrung nicht für sich behält, sondern weitergibt. „Damit alles im Fluss bleibt“, erklärt Rinko. Und das sagt auch der Name des Dojo: Sui Hô bedeutet Dharmafluss. Dharma, dass ist die vollkommene Wirklichkeit. Mit ihr im Einklang sein, heißt im Fluss sein. „Man muss kein Buddhist sein, um zu meditieren, aber reines Wellness betreiben wir hier auch nicht.“

Weitere Infos: Viermal pro Woche trifft sich die Baden-Badener Gruppe im Dojo in der Lange Str. 124. Jeden Montag um 19 Uhr findet eine Anleitung für Neueinsteiger statt. Kosten: 5 Euro. Anmeldung unter: 07221/37 30 667 oder über www.zen-baden-baden.de. Vom 8. bis zum 14. November widmet sich die von Gregor Stehle organisierte Zen-Woche (www.zenwoche.de) mit zahlreichen Vorträgen dem buddhistischen Leben.

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