Okt 26 2010

Wildkräuter haben das ganze Jahr Saison

Abgelegt 12:00 unter Artikel,BNN

Naturlehrer Jürgen Recktenwald bildet für die Wildkräutersuche aus

Von Kathrin Giese

Jürgen Recktenwald: Foto: Kathrin GieseJetzt im Herbst, wenn die Tage kürzer und die letzten Äpfel vom Baum gepflückt werden, denken viele Menschen, dass die Natur ihre Kräfte vollständig zurückfährt für den Winter.

Ein Leben in der Natur, wie es einst unsere Vorfahren führten scheint undenkbar. Wovon sollte man sich in der kalte Jahreszeit ernähren?

Darüber macht sich Wildkräuter-Experte Jürgen Recktenwald aus Baden-Baden keine Sorgen. Für ihn bietet die Natur das ganze Jahr über ein reichhaltiges Buffet. „Tagtäglich laufen wir über wertvolle Nahrung, ohne sie wahrzunehmen“, weiß der Naturlehrer, der in Kursen das verlorene Wissen über die natürlichen Nahrungsquellen wieder vermittelt. Gerade hat eine neue Gruppe bei ihm die Jahresausbildung zur Kräuter-Frau bzw. zum Kräuter-Mann begonnen. Die angehenden Kräutersammler lernen nun jeden Monat, aktuelle Pflanzen in Theorie und Praxis kennen, die als Nahrung dienen können.

Was viele nicht wissen: Der Inhalt uns bekannter, lebensnotwendiger Stoffe liegt bei den Wildkräutern um ein Vielfaches höher, als bei Kulturpflanzen, so enthält Löwenzahn zum Beispiel 115 mg Vitamin C pro 100g, Kopfsalat dagegen nur 13 mg pro 100g Salat. Und noch dazu schmecken die Wald- und Wiesenpflanzen kraftvoll und intensiv und machen dabei auch noch satt, ohne den Magen vollkommen zu füllen. Gesammelt, können sie auf vielfältige Weise zubereitet werden, ob auf dem Brot, als Salat, als Tee, als Kaltauszug zum Trinken oder in Alkohol eingelegt für das Medizinschränkchen.

Zu dieser Jahreszeit kann der Wanderer auf der Wiese etwas ganz besonderes beobachten: „Gerade sind alle Entwicklungsstufen der Pflanze zu finden. Die Blüte, die Frucht, der Samen und auch schon die Rosette, mit der angelegten Pflanze für das nächste Jahr“, erklärt Wildkräuter-Experte Jürgen Recktenwald. Deshalb beginnt und endet das Kräuterjahr für ihn auch im September.

Wer Wildkräuter sammeln möchte, benötigt ein Korb mit viel Platz auf dem Boden, in dem ein feuchtes Tuch liegt. Darin werden die gesammelten Kräuter eingeschlagen und mit der Blumensprühflasche regelmäßig benetzt. „So bleiben sie lebendig“, erklärt der Naturlehrer. Auch ein Bestimmungsbuch, wie zum Beispiel das Standartwerk „Was blüht denn da“, gehört ins Gepäck. Damit können die Wildkräuter an Hand ihrer Blüte bestimmt werden. Verpasst man allerdings die Blütezeit, muss man ein Jahr lang warten. „Das übt in Geduld“, so Rechtenwald.

Vor acht Jahren verschlug es den Saarländer nach Baden-Baden. Nach ausgiebiger Wanderschaft und vielen Stadtionen in großen Städten, wie Kopenhagen oder Berlin hat der Naturlehrer in Baden-Baden die passende Mischung gefunden. „Baden-Baden hat Weltstadtflair. Hier kann ich Kultur und Natur zusammen nutzen und auf dem Weg in die Stadt auf den Wiesen Wildkäuter sammeln, um dann ein Museum zu besuchen.“

Zum Pflücken der Pflanzen eignen sich am besten die bloßen Hände, ganz ohne Messer oder Schere. Sie spüren gleich, ob ein Blatt noch kräftig genug ist und verletzten die Pflanze nicht unnötig. „Wenn man immer die oberste Spitze eine Pflanze abzupft, kommen die beiden Trieben an der Seite mit Kraft nach und die Pflanze wächst“, rät Recktenwald. Der Tipp eignet sich natürlich auch für Küchenkräuter im Garten oder auf der Fensterbank.

Wichtig:  Einige Pflanzen in der Natur sind für den Menschen gefährlich. Bevor der Laie mit dem Sammeln und Verzehren von Wildkräutern beginnt, sollte er sich seiner Sache sicher sein. Hilfreich sind Ratgeberbücher oder ein Kurs bei Naturlehrer Jürgen Recktenwald. Mehr Infos unter Telefon 80 95 84 oder www.naturlehrer.de.

Der Artikel erschien am 26. Oktober 2010 in den Badischen Neuesten Nachrichten.

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